Sportkoordinator Yilmaz Örtülü (blaues Hemd) beim obligatorischen Fototermin im Ellenfeld (Foto: Th. Burgardt/borussia-online.de)

“Wir sind gut aufgestellt” – Yilmaz Örtülü im Sommerinterview (I)

In rund zwei Wochen startet Borussia Neunkirchen in die neue Saison. Während die Mannschaft von Trainer Kurt Knoll in der Hitze schwitzt, um optimal vorbereitet zu sein, klingelt bei Yilmaz Örtülü unablässig das Handy. So kurz vor dem Saisonbeginn haben die Leute viele Fragen: Kommen noch Neue? Wieso geht Marco Schmit? Wie wird das Team diesmal abschneiden? Fragen, die Örtülü im Sommerinterview mit borussia-neunkirchen.de beantwortet. Heute erscheint der erste Teil eines längeren Gesprächs mit dem 30-jährigen Ex-Profi (u.a. Saarbrücken), am Freitag folgt der zweite und letzte.

Herr Örtülü, mit Sebastian Grub haben Sie am Wochenende den sechsten Neuzugang unter Vertrag genommen. Werden weitere Neue folgen?

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Yilmaz Örtülü: Wir sind der Meinung, dass wir mit den Neuzugängen Jaba Bebua, Christian Frank, David Fuhl, Sebastian Grub, Titan Monostori und Waldemar Schwab bereits gut aufgestellt sind, halten jedoch weiter Ausschau. Viel wird sicher nicht mehr passieren.

Sie stellen in diesem Jahr zum zweiten Mal den Kader zusammen. Worauf achten Sie bei der Auswahl der Spieler? Haben sich Ihre Kriterien im Vergleich zum Vorjahr verändert?

[quote_left]“Wir halten weiterhin Ausschau nach jungen Spielern, die sich beweisen wollen. Für die ist Borussia Neunkirchen eine gute Adresse.“[/quote_left]Örtülü: Wir halten weiterhin Ausschau nach jungen Spielern, die sich beweisen wollen. Für die ist Borussia Neunkirchen eine gute Adresse. Wir vertrauen hier auf Talente, aus den eigenen Reihen und von außerhalb. Mike Frantz vom 1. FC Nürnberg ist von Neunkirchen aus in Richtung Bundesliga gestartet, mit Hendrick Zuck, der jetzt nach Kaiserslautern geht, könnte ihm bald der nächste Spieler von hier folgen. Gut gefahren sind wir auch mit Spielern, die anderswo ihre Qualität schon nachgewiesen hatten, deren Karriere aber aus verschiedenen Gründen ins Stocken geraten war. Ein Beispiel dafür ist Arif Karaoglan. Wir haben ihm unser Vertrauen geschenkt, ihm gleich einen Zweijahresvertrag gegeben. Arif ist bei uns richtig durchgestartet, hat zwölf Tore geschossen und damit andere Clubs auf den Plan gerufen. Das konnten wir aufgrund des Vertrags gelassen verfolgen. Grundsätzlich aber gilt, dass die Kaderplanung für uns kein Wunschkonzert ist. Wir bieten den Spielern eine sportliche Perspektive, daneben geht es nicht selten um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Schließlich kann es nicht jeder nach ganz oben schaffen.

Anders als in den letzten beiden Jahren haben sich die Veränderungen im Kader in Grenzen gehalten. Zu den Abgängen zählen aber mit Zuck und Julian Weiersbach zwei Eigengewächse, die zuletzt Stützen der Mannschaft waren und nun den Sprung nach oben wagen. Ist das die Kehrseite einer erfolgreichen Jugendarbeit?

Örtülü: Hendrick und Julian haben sich bei Borussia gut entwickelt. Dass sie jetzt zu höherklassigen Vereinen wechseln, ist auch als Lob unserer Jugendarbeit zu verstehen. Einerseits ist es schade, dass sie in Zukunft woanders spielen. Andererseits gönnen wir ihnen natürlich diese Chance.

Zuck und Weiersbach gehörten zu einem selten guten Jahrgang, den der Verein fast komplett an sich band. Sind Sie mit der Entwicklung der Jungen zufrieden? Und dürfen sich die Fans in diesem Sommer auf neue Talente freuen?

Örtülü: Wir sind mit unseren jungen Spielern sehr zufrieden. Sie haben in den letzten Jahren ein wahnsinniges Pensum bewältigt, teilweise über 50 Spiele in einer Saison gemacht und ihren Ehrgeiz unter Beweis gestellt. Auch jetzt kommt wieder der ein oder andere Junge nach, dem wir den Sprung in die Oberliga-Mannschaft zutrauen. Es ist aber noch zu früh, Namen zu nennen.

Ein Abgang ist für viele Fans sicher schwer zu verkraften: Marco Schmit verlässt nach 19 Jahren den Verein. Wieso haben Sie ihn nicht halten können?

[quote_right]“Leider hat sich Marco Schmit gegen unser Angebot entschieden.“[/quote_right]Örtülü: Marco hat unbestrittene Verdienste um die Borussia. Er ist mit dem Verein dreimal Oberliga-Meister geworden, hat bestimmt an die 500 Spiele gemacht, wobei er immer einer der Leistungsträger war. Deshalb wollten wir ihn auch halten. Leider hat er sich gegen unser Angebot entschieden. Das müssen wir akzeptieren, werden Marco aber nicht aus den Augen verlieren. Vielleicht sehen wir ihn irgendwann in einer anderen Funktion bei Borussia wieder, so wie Adetunji Adeyemi oder Ralph Flausse, die mittlerweile erfolgreiche Jugendtrainer sind. Wir wollen in Zukunft weiter auf die Ehemaligen setzen. Deshalb war Sascha Purket einer von zwei Kandidaten, mit denen wir über die Nachfolge von Willi Ertz, der hier als Torwarttrainer über Jahre hervorragende Arbeit geleistet hat, gesprochen haben. Leider ist Sascha nach dem Klassenerhalt von Eintracht Trier im Moment nicht zu haben.

Lesen Sie am Freitag, was der Sportkoordinator von der Mannschaft erwartet, wie es um die Finanzen des Vereins bestellt ist, wann er Borussia verlassen würde und wie er zu den jüngsten Äußerungen von Ex-Trainer Heinz Henkes steht.

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