Sportkoordinator Yilmaz Örtülü

Wieder gegen den Abstieg? “In keinem Fall” – Sommerinterview mit Yilmaz Örtülü (II)

Lesen Sie heute den zweiten und letzten Teil des Sommerinterviews mit Yilmaz Örtülü (30). Der Sportkoordinator beantwortet unter anderem die Frage, die zwei Wochen vor Saisonbeginn alle bewegt: Wo wird Borussia Neunkirchen diesmal landen? Außerdem spricht Örtülü über treue Sponsoren, die ebenso treuen Fans, seine persönliche Bilanz nach einem Jahr bei Borussia sowie die jüngsten Äußerungen von Ex-Trainer Heinz Henkes, der nach 52 Jahren aus dem Verein austreten will.

Herr Örtülü, wo sehen Sie die Borussia am Ende der kommenden Saison? Wird die Mannschaft wieder bis zum Schluss gegen den Abstieg spielen?

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Yilmaz Örtülü: In keinem Fall. Wir haben die meisten Spieler gehalten und uns punktuell verstärkt. Mit einer guten Mannschaft wie dieser spielst du nicht ein zweites Mal gegen den Abstieg.

Als Sie im Mai letzten Jahres zur Borussia kamen, war überall zu lesen, der Verein müsse seinen Etat um 40 Prozent reduzieren. Ist es dabei geblieben? Und wie hoch wird der Etat dieses Jahr sein?

Örtülü: Ich weiß gar nicht, ob die 40 Prozent reichen. Es gab zu diesem Zeitpunkt aber keinen anderen Weg. Einige Sponsoren mussten ihr Engagement kurzfristig zurückfahren oder sogar einstellen. Dafür hatten wir einerseits Verständnis, andererseits standen wir dadurch mit dem Rücken zur Wand. Was die Anstrengungen um den Etat angeht, haben wir in der vergangenen Saison unter Mithilfe der verbliebenen und einiger neuer Sponsoren eine Meisterleistung vollbracht. Die müssen wir in der neuen Saison wiederholen. Über genaue Zahlen möchte ich an dieser Stelle aber nicht sprechen.

Begründet wurde der Rückgang der Einnahmen mit der Finanzkrise. Krisen gab es im abgelaufenen Jahr aber auch innerhalb des Vereins. Wie haben die Sponsoren darauf reagiert?

Örtülü: Sie waren natürlich nicht angetan, halten der Borussia jedoch weiter die Treue, wie Karlsberg oder Bauknecht. Das sind Unternehmen, die sich seit Jahrzehnten hier einbringen. Einige Werbepartner haben ihr Sponsoring sogar leicht ausgebaut. Das gilt zum Beispiel für die Pro Solar Consult, Schröder Fleischwaren oder SportPur. Für dieses Vertrauen müssen wir uns bedanken. Daneben gibt es Gönner wie Matthias Woll, der mit seiner VKV nicht im Rampenlicht stehen möchte, dort aber hingehören würde.

Seit über einem Jahr wird im Umfeld über Neubesetzungen in Vorstand und Aufsichtsrat diskutiert. Demnächst soll endlich Bewegung in die Sache kommen. Sind Sie als Sportkoordinator über den aktuellen Stand informiert?

Örtülü: Klar, das kriegt doch jeder mit. Es gibt Hoffnungen finanzieller Art, die mit den Personen verbunden sind, die Ämter bei der Borussia übernehmen wollen. Aber es gibt auch genügend Aufgaben, die verteilt werden müssten. Über Unterstützung würde ich mich sehr freuen. Da spüre ich in mir eine gewisse Ungeduld.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz nach einem Jahr als Sportkoordinator aus? Haben Sie noch Spaß an diesem Job?

Örtülü: Natürlich habe ich mir sportlich viel mehr erhofft. Zeitweise ist meine Aufgabe wirklich sehr anstrengend. Spaß macht es aber trotzdem, besonders mit den Jungs. Sollte das mal nicht mehr so sein, höre ich auf. Für dieses Jahr habe ich beschlossen, keine unnötigen Termine mehr auszumachen. Meinen Pinsel für die Bäuche habe ich auch schon entsorgt.

Mit Heinz Histing und Jupp Henkes wurden in der abgelaufenen Saison nacheinander zwei Trainer entlassen, die bei Borussia große Namen haben. Henkes hat in der vergangenen Woche öffentlich mit dem Verein gebrochen. Wie schwer war die Entscheidung in diesen beiden Fällen? Und was würden Sie Histing und Henkes sagen, wenn Sie ihnen heute begegnen würden?

Örtülü: Diese Entscheidungen waren sicher nicht einfach, nicht nur, weil Henkes und Histing hier noch immer Legenden sind. Im Fußball geht es eben um Ergebnisse, und wenn dann auch noch die Erwartungen so hoch sind wie in Neunkirchen, wird das Umfeld schnell unruhig. Ich habe Heinz Histing schon zweimal getroffen, wir haben ein gutes Verhältnis. Wieso sollte das auch anders sein. Er kennt die Borussia, die Ansprüche. Henkes würde ich genauso freundschaftlich begegnen. Er sollte nach einem halben Jahrhundert nicht aus dem Verein austreten.

Kritische Stimmen zum Umgang mit Henkes gab es nicht zuletzt von Fanseite. Wird es demnächst wieder ein Fantreffen geben, und worüber würden Sie mit den Anhängern gerne einmal sprechen?

Örtülü: Wir wollen uns in regelmäßigen Abständen mit den Fans treffen. Mit einigen bin ich sogar im E-Mail-Dialog. Wir können Kritik und viele Vorschläge der Fans aufnehmen, aber nicht alles umsetzen. Uns fehlt als Amateurverein einfach die Manpower. Wenn nur ein Ehrenamtlicher aufhört, haben wir ein Problem. Besonders im Fall von Dieter Heylmann reißt uns das im Moment ein riesiges Loch. Dieter hat im Spielausschuss über Jahre richtig geackert. So jemand ist auch aufgrund seiner Erfahrung unverzichtbar.

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