Rückblick

Vorrunde Saarlandliga 2017/18: Zwei grundverschiedene Hälften stürzten Borussias Fans in ein Wechselbad der Gefühle

Vorrunde Saarlandliga 2017/18: Zwei grundverschiedene Hälften stürzten Borussias Fans in ein Wechselbad der Gefühle

Vergangener Samstag gegen 16.50 Uhr, es ist schon fast dunkel im Ellenfeld. Borussias Mannschaft, abgekämpft und von Schweiß und Dauerregen bis auf die Haut durchnässt, tanzt ausgelassen vor und mit der Fankurve. La-Ola – die Welle ist angesagt! Nach kämpferisch ganz starkem Auftritt gewinnt Borussia gegen den Titelanwärter VfB Dillingen mit 3:2. Begeisterung macht sich breit. Lautstark feiern Borussias Fans ihre Jungs und Trainer Björn Klos. Rückblende: 10. September 2017, gegen 18.45 Uhr, Borussias Akteure sinken zu Boden, tief enttäuscht. Die Hoffnung auf eine Trendwende hat sich nicht erfüllt, Im Gegenteil: Nach einem blutleeren Auftritt verliert Borussia gegen den Nachbarn aus Ottweiler/Steinbach sang- und klanglos mit 0:3. Der eigene Anhang verlässt schweigend das Stadion, sprachlos, fassungslos. Depression droht sich breit zu machen. Die Sonne über dem Ellenfeld scheint nur für die lautstark jubelnden Gäste und ihre zahlreich mitgereisten Fans.

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Zwei Monate und neun ungeschlagene Spiele liegen zwischen den beiden Szenarien (siehe Foto), die symptomatisch sind für zwei grundverschiedene Hälften der Vorrunde 2017/18. Konnte Borussia in den ersten acht Spielen nur einmal siegen (zuhause gegen die Spvgg Quierschied), folgten anschießend neun Spiele ohne Niederlage. Was ist passiert im Ellenfeld?

Wer am Ende der Vorrunde eine Erklärung für Borussias „Auferstehung“ sucht, kommt sicherlich an der Schlüsselrolle des neuen Trainers nicht vorbei. Seit Björn Klos das Szepter im Ellenfeld schwingt, so der Eindruck, ist ein neuer Geist in die Mannschaft eingezogen. „Der Trainer kann gut rüberbringen, was er von uns will. Er glaubt an uns, hat uns Selbstvertrauen gegeben und versucht immer, alles aus uns herauszukitzeln. Er macht uns Mut, dass wir, wenn wir hundert Prozent geben, auch Erfolg haben werden. Und das in der ihm eigenen emotionalen Art“, sagt Stürmer Tim Klein. Björn Klos wiederum gibt die Komplimente an seine Jungs zurück. Dass er derzeit im fupa.net-Ranking mit der Punktausbeute von 2,33 pro Spiel als bester Trainer der Saarlandliga gelistet wird, ist für ihn nicht wichtig: „Das liest sich schön, ist aber das Verdienst der Mannschaft!“ Nur 6 Tore hat Borussia in den letzten neun Spielen kassiert – das zeigt, wo der neue Trainer den Hebel angesetzt hat, so Borussias Präsident Martin Bach: „Björn ist von Haus aus selbst Abwehrspieler. Er spricht die Sprache der Spieler und weiß, worauf es ankommt. Er hat die defensive Stabilität zurückgebracht.“ Und dabei durch seine Art der Menschenführung seine Schützlinge vom psychischen Ballast befreit: Denn der hing in Form der Gedanken an den unnötigen Oberliga-Abstieg noch lange, zu lange tief in den Köpfen fest. Hinzu kommt der Faktor Authentizität: Björn Klos lebt Disziplin und Mentalität vor, die er von seinen Spielern verlangt. „Ich kann von den Jungs nur das fordern, was ich selbst auch einlöse“, sagt der 34jährige, der in Training und Spiel bis an die Grenze der Belastbarkeit geht.

Auch in punkto Teamgeist wurden verschiedene Maßnahmen initiiert, um den Zusammenhalt in der Mannschaft zu stärken. Dazu gehören neben dem gemeinsamen Sauna-Besuch zur Regeneration montags nach den Spielen das gemeinsame Essen und Beisammensein im Borussia-Heim nach den Trainingseinheiten und nach den Spielen „Die Mannschaft hat das gut angenommen und ist selbst schon in dieser Sache initiativ geworden“, freut sich Borussias Trainer, der seine Jungs gerne zu einem „verschworenen Haufen“ machen möchte, denn: „Damit können wir viel erreichen!“ Mannschaftliche Geschlossenheit und Kameradschaft – damit hat er schon bei der DJK Bildstock gute Erfahrungen gemacht. „Die menschliche Komponente ist mir wichtig. Gerade in knappen Spielen kann man ein paar Prozent mehr herausholen, die dann am Ende entscheidend sind“, heißt Björn Klos´ Devise. Der Erfolg gibt ihm bislang Recht: In der Tabelle der letzten neun Spiele liegt Borussia mit 21 Punkten auf Platz 2 – nur Spitzenreiter Auersmacher ist besser (22 Zähler).

Dennoch mahnt Sportvorstand Gunther Persch zur Demut. Euphorie sei nicht angesagt: „Es ist längst noch nicht alles Gold, was glänzt. Spielerisch ist noch viel Luft nach oben. Auch die Chancenverwertung lässt zu wünschen übrig.“ In der Tat: Nur 13 Tore hat Borussia in den 9 ungeschlagenen Spielen erzielt, zuletzt in Hasborn drei „Hundertprozentige“ und damit zwei Punkte liegen lassen. Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen und Rückschläge einkalkuliert werden müssen, zeigte auch das 2:2 im Ellenfeld gegen die U23 des FC Homburg, als die Klos-Schützlinge trotz früher 2:0-Führung am Ende in arge Bedrängnis gerieten. Die gewonnene Stabilität – eben noch sehr fragil, ein zartes Pflänzchen, das es mit Geduld zu pflegen gilt.

Was Gunther Persch aber optimistisch stimmt, ist die Unterstützung von den Rängen: „Was da an Anfeuerung kommt, ist fantastisch“, sagt er im Stadionmagazin „Blick ins Ellenfeld“. Gegen den VfB Dillingen verloren sich – wetterbedingt – zwar nur knapp 200 Fans im weiten Stadionrund. Doch die verspürten „Gänsehaut-Feeling“ (so Hans Ehrhardt auf der facebook-Seite borussia-online). Wer nicht da war, hat was verpasst, war die einhellige Meinung unter Borussias Anhang. Die Fangruppierung „Schwarzen Teufel“ fand es auf ihrer Homepage „selbst mit Abstand schwer, die richtigen Worte zu finden. Es war sicherlich kein spielerischer Leckerbissen auf schwerem Geläuf und bescheidenem Wetter, aber es war ein typisches Ellenfeldspiel, ein Wechselbad der Gefühle, 90 Minuten Kampf, Leidenschaft, belohnt durch das Siegtor von Daniel ´Ruschi` Ruschmann, ein Freistoß wie ein Urknall, der Emotionen auslöste, wie sie nur im altehrwürdigen Ellenfeld möglich sind. Egal ob 100, 200 oder 20000 Zuschauer, Borussia ist und bleibt Borussia, egal in welcher Liga! Danke Jungs, danke Björn Klos, haltet es für übertrieben oder lächerlich, bei solchen Spielen wie gestern weiß man, warum man stolz ist Borusse zu sein!“ Ganz im Sinne der Fan-Kurve, die beim Dillingen Spiel intonierte: „Saarland-Liga, tut so weh, scheiß-egal, VfB!“ Man merkt: Es wächst wieder was zusammen. Auch zwischen Team und Fans. Und so bleibt die Hoffnung, dass sich Szenen wie im September nach dem 0:3 gegen Ottweiler-Steinbach so schnell nicht wiederholen im Ellenfeld. (-jf-)