Nagel + Seidel

Trotz früher 2:0-Führung nur ein Punkt gegen Homburg

Björn Klos: „Quittung für schwache zweite Halbzeit!“

 

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Unser Bild: Kampf um jeden Meter Boden – Borussias Jannik Nagel (li.) und Patrick Seidel, nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte, stemmen sich Homburgs Philipp Wunn entgegen. (Foto: -jf-)

Andreas Sorg und Björn Klos standen noch lange nach Spielschluss im Borussia-Heim zusammen. Der Trainer der Homburger U23 und Borussias Coach kennen und schätzen sich. In den wesentlichen Punkten ihrer Spielanalyse waren sie sich auch komplett einig. Auch darin, dass das 2:2 am Ende ein gerechtes Resultat darstellte. Dabei hatte sich manch ein Anhänger der Borussia, das verrät ein Blick in die sozialen Medien, nach der frühen 2:0-Führung endlich einmal ein entspanntes Spiel ohne Zittern gewünscht.

Die Zeichen dafür standen nach fünf Minuten sehr gut! Borussia legte los wie die Feuerwehr, überrollte die Gäste von Beginn an mit aggressivem Anlaufen und überfallartigen Angriffen. „Das war auch unser Plan: Die junge gegnerische Mannschaft von der ersten Minute an unter Druck zu setzen und zu zeigen, dass wir Herr im Haus sind“, verriet Björn Klos später. Der verdiente Lohn: Jens Kirchen verwandelte nach nur zwei Minuten einen an ihm selbst verwirkten Foulelfmeter sicher zur Führung, nur drei Zeigerumdrehungen später war Momo Diallo nach einem Fauxpas von Homburgs Keeper Eric Höh zur Stelle und netzte zum 2:0 ein. Borussias Mannschaft hatte die vehemente Forderung ihres Trainers nach dem 1:0 („Nachsetzen!“) konsequent umgesetzt. Genau davor hatte FCH-Coach Andreas Sorg seine Schützlinge gewarnt, musste aber ernüchtert feststellen: „In den ersten fünf Minuten waren wir noch gar nicht richtig auf dem Platz!“

Doch Borussias Konsequenz ging im Laufe der ersten Halbzeit immer mehr verloren. Die Klos-Truppe ließ sich nach 20 guten Minuten im Gefühl des scheinbar sicheren Vorsprungs Stück für Stück mehr in die eigene Hälfte zurückdrängen – sehr zum Missfallen ihres Trainers, der immer wieder von außen lautstark intervenierte und mehr Bewegung einforderte („Männer, wir dürfen nicht so statisch sein!“). Auch Sportvorstand Gunther Persch war mehr als deutlich zu vernehmen: „Leute, jetzt nochmal eine Schippe drauflegen!“ Andreas Sorg dagegen merkte, dass im Ellenfeld was geht: „Traut Euch was zu“, rief er seinen jungen Burschen zu, und je mehr die ins Spiel fanden, umso mehr ging Borussias Rhythmus verloren. Dennoch fiel der 1:2-Anschlusstreffer von Leon Böhnlein, der nach einem langen Ball im völlig offenen Defensivzentrum frei vor Jonas Merhej auftauchte und den aus dem Tor geeilten Borussen-Keeper elegant überlupfte, eher aus dem Nichts heraus. Nachdem Philipp Wunn wenig später sogar den Ausgleich knapp verpasste, setzte auf Borussen-Seite der agile und umtriebige Kapitän Jens Kirchen kurz vor dem Pausenpfiff noch einmal ein Ausrufezeichen, als er mit einem Distanzschuss das Homburger Tor knapp verfehlte.

Björn Klos forderte in der Kabinenansprache seine Schützlinge auf, „das Spiel wieder an sich zu reißen und auf das 3:1 zu spielen, denn dann haben wir den Gegner im Griff.“ Umsetzen konnte es die Mannschaft jedoch nach dem Seitenwechsel nicht. Im Gegenteil: Borussia stellte das Fußballspielen mehr und mehr ein, beschränkte sich aufs Verwalten der knappen Führung. Kein einziger Schuss aufs Homburger Tor in den zweiten 45 Minuten – diese Bilanz spricht für sich. Björn Klos fand unmittelbar nach der Partie noch keine Erklärung für die Leistung des Teams. Auch die eingewechselten Lionel Schmidt, Jodi Daoud und Tim Klein vermochten keine neuen Impulse mehr zu geben. Vielleicht machte sich hier doch die zurzeit äußerst dünne Personaldecke bemerkbar: „Jannik Nagel lag gestern noch krank im Bett, Patrick Seidel war eigentlich noch gar nicht so weit für einen Einsatz, stellte sich aber in den Dienst der Mannschaft“, erklärte ein sichtlich enttäuschter Björn Klos nach dem Spiel, wollte dies aber nicht als Entschuldigung für die schwache zweite Halbzeit verstanden wissen. Und so kam es, wie es kommen musste: In der Nachspielzeit patzte Borussias Abwehr erneut bei einem langen Ball, der eingewechselte Norbert Neumann schlich sich im Rücken von Marco Dahler vorbei, profitierte von einer Fehleinschätzung von Kamil Czeremurzynski und bugsierte das Leder unter Jonas Merhej hindurch zum Ausgleich ins Borussen-Netz – großer Jubel Andreas Sorg und seinen Schützlingen, die bis zum Schluss an ihre Chance glaubten und für diesen Glauben belohnt wurden.

„Wir haben um dieses Tor geradezu gebettelt“, resümierte Björn Klos in seiner Ansprache im Mannschaftskreis nach dem Spiel, zeigte aber auch Respekt vor der Leistung des Gegners: „Wie der FCH nach den frühen Nackenschlägen noch einmal zurückgekommen ist, zeugt von einer Top-Moral. Das Remis haben sie sich verdient.“ Doch Björn Klos wäre nicht Björn Klos, hätte er nicht trotz der Enttäuschung aufmunternde Worte für seine Jungs parat: „Heute haben wir Punkte liegen gelassen und die Quittung für eine schwache zweite Halbzeit bekommen. Mehr ist aber nicht passiert! Jetzt heißt es über die Feiertage: Regenerieren, und dann im Training wieder Gas geben und in Hasborn versuchen, es besser zu machen!“ (-jf-)

Borussia in der Statitsik:

Unsere Mannschaft: Jonas Merhej – Mo Benghebrid, Kamil Czeremurzynski, Marco Dahler, Giuseppe Vituzzi, Patrick Seidel, Daniel Ruschmann, Jannik Nagel, Marvin Gabriel (77. Jodi Daoud), Jens Kirchen (84. Tim Klein), Mouhamad Diallo (65. Lionel Schmidt). – Unser Trainer: Björn Klos.

Tore: 1:0 (2.) Jens Kirchen (Foulelfmeter), 2:0 (5.) Mouhamad Diallo, 2:1 (29.) Leon Böhnlien, 2:2 (90.+ 3) Norbert Neumann. – Schiedsrichter: Team Lothringen. – Zuschauer: 400.