Nicolas Rodriguez

Sechs Tore und Nervenkitzel im Ellenfeld

Drei Treffer reichen Borussia nicht zum Sieg

Fortes fortuna adiuvat. So lautet – in lateinischer Sprache – ein Sprichwort der alten Römer. Den Tüchtigen hilft das Glück. Dieses Glück, in Form des späten Ausgleichstreffers, durfte Borussia im ersten Heimspiel der neuen Saison gegen die SG Lebach-Landsweiler zurecht für sich in Anspruch nehmen. Alles haben sie bis zur letzten Minute rausgehauen, sich das Glück im wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet. Und wurden belohnt. Fast hätte es sogar noch zum Siegtreffer gereicht, wenn Giuseppe Vituzzi mit dem Schlusspfiff noch getroffen hätte. Aber das wäre vielleicht auch zu viel des Glücks gewesen. Denn eine hochmotivierte und spielerisch gute Mannschaft aus Lebach hatte sich den einen Punkt ebenfalls durchaus verdient. Sechs Tore auf der reaktivierten Anzeigetafel, eine intensive und turbulente Partie, nichts für schwache Nerven – die Fans im Ellenfeld bekamen was geboten! „In der letzten Saison hätten wir so ein Spiel verloren“, war nach dem Schlusspfiff auf den Rängen zu hören. Da ist was Wahres dran. Auch insofern war die Saarlandliga-Premiere im Ellenfeld ein Fortschritt.

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Abgesehen davon, dass nach ein paar Minuten ein Freistoß der Gäste an den Pfosten klatschte und  Philippe Persch den Nachschuß reaktionsschnell parierte, fand Borussia gut ins Spiel. Ein strammer Schuß von Kamil Czermurzynski wurde vom Gästekeeper Ferner mit den Fingerspitzen gerade noch so über die Latte gelenkt. Auch Benjamin Braun scheiterte freistehend am Lebacher Torwart, machte es wenig später aber besser: Sein Schuss senkte sich, noch leicht abgefälscht, über Ferner ins Tor. Die Führung machte Borussia sicherer. Mit ihr in die Kabine zu gehen, wäre für das Nervenkostüm gut gewesen. Doch nach einer umstrittenen Ecke (Schiedsrichter Grill wollte den Ball im Toraus gesehen haben) köpfte Lebachs Wollscheid gegen eine unorganisierte Borussen-Abwehr das Leder zum Ausgleich ins Netz. Nach der Pause griff wieder eine gewisse Verunsicherung um sich. Die Angst, Fehler zu machen, lähmte Borussia, der Gegner bekam Räume. Der Lohn: Stürmer Krauß wurde steil geschickt, umkurvte den aus dem Tor herausstürzenden Philippe Persch und schob ein – 1:2! Borussia versuchte Druck aufzubauen, benötigte aber einen Foulelfmeter zum Ausgleich: Jens Kirchen ließ sich die Chance nicht entgehen. Doch die Freude des Borussen-Anhangs währte nur drei Minuten: Erneut war Krauß nach Eckball per Kopf zur Stelle, eine Duplette des 1:1, wieder Rückstand für die Ellenfelder! Sollte es so weiter gehen wie in der Vorsaison? Aber Borussia zeigte Moral, Tim Klein schafft das umjubelte 3:3. In der Nachspielzeit verpassten Niclals Gil Rodriguez und Pino Vituzzi gar den „lucky punch“.

Unter dem Strich steht ein gerechtes Resultat. Borussias Moral und kämpferische Leistung stimmten. Doch wie schon beim Auftakt in Köllerbach lässt sich das junge Team durch Rückschläge, sprich: Gegentore, noch zu leicht verunsichern. Zuweilen sorgen auch ungenaue Zuspiele oder leichtfertige Ballverluste im Spielaufbau für gefährliche Kontersituationen vor Philippe Persch. Drei Tore zuhause sollten eigentlich zum Sieg reichen. Die Gegentore entsprangen Situationen, vor denen Trainer Tobias Grimm vor dem Spiel ausdrücklich gewarnt hatte (Eckbälle und Konter). Hier gibt´s noch Arbeit. Darüber hinaus bewies der Coach beim Personal erneut ein glückliches Händchen: Die eingewechselten Jens Kirchen und Tim Klein zählten zu den Torschützen. Das darf im nächsten Spiel bei der mit einem 7:2-Heimsieg gegen Titelfavorit SC Friedrichsthal so fulminant gestarteten U23 der SV Elversberg am kommenden Sonntag (Anstoß: 15.00 Uhr im Mühlwald-Stadion St. Ingbert) gerne wieder so sein! Und die Gäste? Lebachs Trainer Furak Kremic hatte nach der Auftaktpleite seines Teams gegen Mettlach versprochen: „In Neunkirchen werden wir das besser machen!“ Keine Frage: Dieses Versprechen hat seine Mannschaft gehalten. (-jf-)

Borussia in der Statistik:
Die Mannschaft: Persch – Czermurzynski, Cullmann, Traore (46. Seidel), Vituzzi, Benghebrid – Rodriguez, Nagel – Schmidt, Braun (56. Kirchen), Jung (70. Klein). Trainer: Tobias Grimm.
Gelbe Karten: Traore (36.), Nagel (63.), Czermurzynski (65.). – Tore: 1:0 (31.) Braun, 1:1 (43.) Wollscheid, 1:2 (58.) Krauß, 2:2 (69.) Kirchen (Foulelfmeter), 2:3 (72.) Krauß, 3:3 (90.) Klein. – Schiedsrichter: Grill (Urweiler). – Zuschauer: 300.