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Philippe Persch im Pech – was Borussias Torwart und der griechische Held Achilles gemeinsam haben

Philippe Persch im Pech – was Borussias Torwart und der griechische Held Achilles gemeinsam haben

 

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Achilles! Im antiken Griechenland zog dieser Name die Menschen in seinen Bann. Mut und Leidenschaftlichkeit zeichneten den wohl tapfersten Helden der antiken Mythologie im Kampf um das sagenumwobene Troja ebenso aus wie Unerschrockenheit und der unbedingte Wille zu siegen. Der Dichter Homer hat ihm in seinem Epos „Ilias“ ein Denkmal gesetzt. Doch Achilles hatte auch eine schwache Stelle. Um ihn unverwundbar zu machen, hatte seine göttliche Mutter Thetis den Jungen in das Wasser des Unterweltsflusses Styx eingetaucht, wobei sie ihn an der Ferse festhielt. Auf diese Weise wurde der Krieger in der Tat am ganzen Körper unverletzlich – bis auf jene Stelle, an der die Mutter ihn festhielt und die ihm später am Kriegsende zum Verhängnis wurde: Die sprichwörtlich gewordene Achilles-Ferse.

Seit Samstag weiß Borussias Torwart Philippe Persch, dass er mit dem großartigen Helden der Griechen nicht nur die Attribute Leidenschaft, Kampfgeist und Siegeswillen gemeinsam hat, sondern auch den „wunden Punkt“. Gut fünf Minuten sind im Ellenfeld gegen den SV Bübingen gespielt, als der Keeper einen zu ihm zurückgespielten Ball nach vorne schlagen will und dabei leicht wegrutscht. Ein Bübinger Angreifer hat Borussias Torwart angelaufen, rutscht ebenfalls weg und in Philippe Persch hinein, trifft ihn hinten am linken Fuß. „Ich habe das alles gar nicht so im Detail registriert, das ging alles so schnell“, erinnert sich der 25jährige, der nur noch weiß, „dass sich das angefühlt hat, als ob mir jemand mit einem schweren Gegenstand auf die Ferse haut. Dann gab es ein Geräusch wie ein Knall. Ich wollte den Fuß bewegen, das ging aber nicht mehr. Da war mir klar, dass irgendwas kaputt gegangen war.“ Zumal er höllische Schmerzen empfand, als Physiotherapeut Horst Martin versuchte, den Fuß zu drehen: „Das ging schon an die Grenze“, so Philippe Persch, der ansonsten sehr belastbar ist und einiges wegstecken kann. Einen Vorwurf will er dem Bübinger Gegner aber auf keinen Fall machen: „Das war mit Sicherheit keine Absicht. Sowas kann passieren, das ist halt die Kehrseite der Medaille im Sport.“

Im Krankenhaus bekam Borussias Torwart eine Gipsschiene verpasst und war nach 75 Spielminuten mit Gehstützen wieder im Ellenfeld, wo er von den Fans mit aufmunterndem Applaus begrüßt wurde und den 2:0-Sieg seiner Kameraden miterleben konnte. Die genaue Untersuchung bei Borussias Arzt Dr. Sebastian Richter und die MRT am Montag in der Klinik bestätigten dann die Befürchtungen: „Die Achilles-Sehne ist komplett durch und muss schnellstmöglich operiert werden“, lautet der ernüchternde Befund. Dabei werden die beiden Enden der gerissenen Sehne zusammengenäht, ohne Einsatz einer künstlichen Verbindung. „Das ist stabiler“, so Philippe Persch, der auf unbestimmte Zeit ausfallen wird. „Das ist ein dicker Wermutstropfen im Siegesbecher“, bedauerte Trainer Björn Klos die Verletzung seines Stammkeepers, „denn Philippe war gut drauf und ist sehr wichtig für die Mannschaft.“ Dennoch vertraut man bei Borussia auf Persch-Vertreter Jonas Merhej, der gegen Bübingen seine Sache sehr ordentlich macht und zusammen mit seiner Abwehr die Null hielt.. „Mit Jonas, das passt“, so Philippe Persch selbst, der glaubt, „dass unser Torwarttrainer Mario Rino den Jonas schon auf die richtige Bahn schiebt.“

Bitter ist die Verletzung für den Torwart auch außerhalb des Platzes insofern, als er erst im August seine 18monatige Referendar-Ausbildung zum Gymnasiallehrer am Studienseminar Trier und am Gymnasium Hermeskeil begonnen hat. Erste Lehrproben stehen nach den Herbstferien an. „Mit meinem Fach Sozialkunde ist das nicht so problematisch. Schwieriger wird es im Sport, da suchen wir noch nach einer praktikablen Lösung“, so der angehende Pädagoge, dessen Ehrgeiz, seinen Schülern möglichst alles selbst vorzumachen („Das ist viel authentischer!“), zunächst ausgebremst ist. Aber Philippe Persch ist nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt. „Dann muss ich jetzt erstmal neben dem Platz Gas geben, um wieder fit zu werden und die Mannschaft von außen zu unterstützen. Es gibt ja den tollen Spruch, dass man aus Verletzungen gestärkt zurückkommt. Genau da werde ich ansetzen!“ Exakt so, wie der antike Held Achilles. Auch der griff nach einer längeren Kampfespause wieder ins Geschehen ein: Mutiger, leidenschaftlicher und angriffslustiger denn je – und brachte damit seine Kameraden vor 3000 Jahren in der Ebene von Troja auf die Siegerstraße.

In diesem Sinne wünscht die ganze Borussia-Familie – Vorstand, Trainer, Mannschaft und Fans – unserem Torhüter einen guten OP-Verlauf, eine erfolgreiche Reha und baldige Genesung. Kopf hoch, Philippe, Borussia steht hinter Dir! (-jf)

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