Marius Neumeier lässt sich Blut abzapfen (Foto: Th. Burgardt/borussia-online.de)

Paul Linz im Gespräch: “Hier passiert was!”

Am Freitag fuhr Trainer Paul Linz mit seiner Mannschaft zur Leistungsdiagnostik nach Saarbrücken. Schnelligkeit und Ausdauer der Fußballer sollten in einer Leichtathletikhalle der Hermann-Neuberger-Sportschule getestet werden. Sprinten mussten sie, von Lichtschranke zu Lichtschranke, und sich nach Läufen in der Gruppe zusätzlich Blut abzapfen lassen, für einen Laktattest, der Aufschluss über die Ausdauer geben wird. In der Bundesliga ist so etwas längst üblich, in der Oberliga außergewöhnlich. Am Rande nahm sich Paul Linz die Zeit für ein Gespräch mit borussia-neunkirchen.de.

Paul Linz im Gespräch mit Till Hust (Foto: Th. Burgardt/borussia-online.de)Herr Linz, Sie sind jetzt knapp eine Woche als Trainer bei Borussia Neunkirchen. Wie sind ihre bisherigen Eindrücke?
Paul Linz: Wir haben bis jetzt jeden Tag trainiert, am Wochenende auch zweimal, und ich kann sagen, dass bisher alle Jungs sehr gut mitziehen. Deshalb machen wir heute auch den Leistungstest, um zu sehen, wie die Kondition ist.

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Steckt viel Potenzial in der Mannschaft?
Linz: Es ist noch zu früh, um über Potenzial zu reden. Zum Potenzial gehören ja mehrere Sachen, nicht nur, ob einer ein bisschen Fußball spielen kann. Potenzial hat auch mit dem Charakter zu tun, mit dem Willen.

Inwiefern hilft Ihnen der Leistungstest, das Training an ihre Mannschaft anzupassen?
Linz: Der Test hat mit der Trainingssteuerung zu tun, vor allem im Ausdauerbereich. Wir können dann in verschiedenen Gruppen laufen. Ich lerne den Fitnessstand jedes einzelnen kennen und kann jedem einen Plan an die Hand geben. Damit er für sich was machen, an seinen Schwächen arbeiten kann. Wenn wir dann vier Mal abends trainieren, will ich nur mit dem Ball arbeiten.

Wie ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft?
Linz: Ich glaube, ganz gut. Wir kriegen auch langsam Ordnung in das Ganze rein. Man merkt den schon Jungs an, dass sie hochmotiviert sind, aber das ist ja oft so, wenn ein neuer Trainer kommt. Gucken wir mal, wie lange das anhält.

In welchem Bereich haben sie mit dem Team in der ersten Woche hauptsächlich gearbeitet?
Linz: Erstmal wollte ich die Jungs kennenlernen. Wir haben viel im spielerischen Bereich gemacht, aber auch ein paar Läufe, um die Ausdauer anzusprechen, und ein klein bisschen Krafttraining. In Spielformen sollten die Jungs sehen, welchen Fußball ich mir vorstelle. Ich bin ein Trainer, der gern offensiv spielt, mit Pressing. Deshalb wollte ich der Mannschaft mit auf den Weg geben, dass wir in Zukunft richtig engagiert und zweikampfstark auftreten wollen.

Wann wird die Mannschaft ihre Spielphilosophie angenommen haben?
Linz: Das kann man nicht voraussagen. Es hat ja alles auch mit Ergebnissen zu tun. Wenn du mal zwei, drei Spiele gewinnst, kommt natürlich ein riesiges Selbstvertrauen dazu. Wir werden jetzt, wie man hier sagt, daran „schaffe“, haben ja auch ein paar Freundschaftsspiele ausgemacht. Und dann wird man sehen, wie die Mannschaft alles umsetzen kann.

Auf Ihre Verpflichtung gab es viele positive Reaktionen auf. Verspüren Sie Erfolgsdruck?
Linz: Erfolgsdruck hat man in seinem Job immer. Ich will ja Erfolg haben. Also mache ich mir diesen Druck vor allem selbst. Ich denke, es gibt ganz viel Arbeit bei uns. Es macht mir aber Spaß, aus dem Nichts was zu machen; das habe ich in anderen Vereinen schon bewiesen. Daher ist Borussia eine Aufgabe, die mich unheimlich reizt. Man muss sehen, was sich in Neunkirchen in den nächsten drei bis vier Monaten entwickelt. Die Spieler ziehen gut mit, der Vorstand ist mit viel Begeisterung dabei. Aber wie setzt sich das Ganze zusammen, passen die einzelnen Teile? Wie reagieren etwa die Sponsoren? Ist die Stadt Neunkirchen in der Lage ist, uns zu helfen? Wenn ich positive Ansätze sehe, macht es mir natürlich auch Spaß, weiter bei Borussia zu arbeiten.

Haben Sie in den letzten Jahren das sportliche Geschehen rund ums Ellenfeld verfolgt?
Linz: Ja, ich habe immer nach Neunkirchen geschaut, weil ich vor 30 Jahren fast einmal hier gelandet wäre. Abgesehen davon ist Borussia ein Traditionsverein, da fragt man schon: wo steht der jetzt, was machen die dort? Allzu viel ist hier in den letzten Jahren ja nicht passiert, also müssen wir sehen, dass das in Zukunft anders wird.

Was möchten Sie bei Borussia verändern?
Linz: Ich will alles mehr auf professionelle Beine stellen. Das fängt mit Kleinigkeiten an. Jeder muss merken: Hier im Ellenfeld passiert was! Da sind wir dran, und ich habe ganz viele Helfer wie Giuseppe Ferraro oder Jens Kelm, der zum Beispiel den Leistungstest organisiert hat. Unser ganzer Vorstand macht einen sehr guten Eindruck auf mich. Alle stehen mir zur Seite, und ich merke einfach, dass in Neunkirchen etwas passieren soll. Wir müssen nun sehen, wie wir das zusammen umsetzen. Ich habe das Gefühl, dass auf mich gehört wird, weil ich ein bisschen Erfahrung mit solchen Sachen habe. Ich fahre gerne nach Neunkirchen, nicht nur, um hier das Training zu machen, sondern das Ganze mitzugestalten. Und ich hoffe, dass alle drumherum mitziehen. Wir können das nicht alleine machen. Deshalb meine Bitte, dass die Stadt Neunkirchen mitmacht, auch die Sponsoren mitmachen. Ich kann versprechen: Wir werden alles tun, um sportlich wieder Erfolg zu haben. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass es unsere Pflicht ist, erfolgreich zu sein. Damit die Leute um sie herum einfacher arbeiten können.

Sie haben von 1984 bis 1986 für Waldhof Mannheim gespielt, sind mit dem Verein damals in die Bundesliga aufgestiegen. Freuen sie sich auf das Testspiel in Mannheim?
Linz: Na klar, ich freue mich, wieder dahin zu kommen. Ich wusste ja, dass Mannheim auch in der Oberliga spielt. Also habe ich Günter Sebert (Sportlicher Leiter von Waldhof, Anm.) angerufen, einen ehemaligen Mitspieler von mir. Und ruck, zuck hatten wir das über die Bühne.

Verstehen sie eigentlich schon den saarländischen Dialekt?
Linz: In Trier hat mich schon jemand gefragt, ob ich Sprachunterricht nehme. Aber ich war ja schon öfter im Saarland. Außerdem ist unsere Sprache ja auch nicht so einwandfrei, dass sie jeder versteht.

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