Marc Herbert (Foto: Th. Burgardt)

Marc Herbert über das Insolvenzverfahren

„Es gibt Neues von der Borussia zu berichten, diesmal leider nicht so positiv, wie es in der Vergangenheit der Fall war.“ Mit diesen Worten eröffnete Marc Herbert die Pressekonferenz, zu welcher der vorläufige Insolvenzverwalter von Borussia Neunkirchen am Donnerstag kurzfristig eingeladen hatte. Wir dokumentieren wichtige Aussagen des Rechtsanwalts im Wortlaut.

Marc Herbert über…

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…die aktuelle Situation
„Wir reden heute nicht vom Ende des Vereins, aber von einer neuen Konstellation, die aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich ist, dass nämlich das Insolvenzverfahren eröffnet wird, zum 1. September.“

…eine Abwendung der Insolvenzeröffnung
„Dass diese Insolvenzeröffnung nicht stattfindet, dafür wäre jetzt zwingend erforderlich, dass ganz kurzfristig ein wirklicher Betrag in die Insolvenzmasse fließt, damit die Liquidität, die ich einfach brauche, um den Spielbetrieb auch aufrecht zu erhalten, gegeben ist. Das ist ein Betrag in der Größenordnung 100.000 Euro. Es könnte für mich auch noch eine Zwischenlösung geben, wenn wir kurzfristig einen Betrag in der Größenordnung von 50.000 Euro hätten. Dann könnten wir dieses Ereignis, was ich für den 1. September avisiert habe, vielleicht noch einen Monat nach hinten schieben und gucken, ob wir es bis dahin geschafft kriegen.“

…unbekannte Konten
„Die Buchhaltung in diesem Verein ist in einem desaströsen Zustand. Es gibt vier Konten der Borussia, die nicht so ganz eindeutig dem Vereinsvermögen zuzuordnen sind. Zwei dieser Konten sind nicht in der Buchhaltung erfasst. Das ist als solches im Grunde noch nicht so dramatisch, man kann das noch alles reparieren, und zwar insofern reparieren, weil die Jahresabschlüsse noch nicht [beim Finanzamt] eingereicht sind. Zwei Konten sind in der Buchhaltung erfasst, in den Jahresabschlüssen, die schon beim Finanzamt eingereicht sind, und zwei Konten habe ich jetzt im Zuge der Aufarbeitung aufgefunden. Und diese zwei Konten müssen jetzt einfach nacherfasst werden.“

…das Sanierungskonzept und den eingeplanten Kredit, der durch die Einspeisevergütung der Photovoltaikanlage im Ellenfeld-Stadion getilgt werden sollte
„Unser Sanierungskonzept hat einen ganz großen Baustein gehabt, und dieser Baustein war die Vorfinanzierung dieser Einspeisevergütung. Das haben wir kalkuliert mit einem Betrag von 80.000 Euro. Das wäre also ein echter Kredit gewesen, der wäre finanziert worden durch diese Einspeisevergütung. Und diesen Kredit wird uns keine Bank in Deutschland gewähren, ohne dass wir korrekte Jahresabschlüsse einreichen. Damit haben wir eine Finanzierungslücke von mindestens 80.000 Euro. Diese Lücke müssen wir jetzt letztlich schließen. Die können wir über zwei Schienen schließen: Entweder, weil irgendwer kommt und sagt: Ich bin bereit dem Verein noch Geld zu geben. Vielleicht ist es auch jemand, der sagt: Mir wäre es ganz lieb, wir könnten da einen Deckel drauf machen, und es gibt keine weiteren tiefen Bohrungen in der Vergangenheit des Vereins. Oder wir schaffen es wirklich noch, einen Jahresabschluss so hinzubekommen, dass die Finanzverwaltung sagt: Jawoll, damit können wir leben. Und damit kann auch eine Bank leben und sagen: Jawoll, auf dieser Basis gewähren wir einen Kredit. Wenn wir das hinkriegen, haben wir einen guten Job gemacht. Aber im Augenblick glaube ich, dass die Wahrscheinlichkeit etwas größer ist, dass am 1. September das Insolvenzverfahren eröffnet wird.“

…die Verhandlungen mit den Gläubigern
„Es gibt Gläubiger, die im Vorfeld telefonisch ihre Zustimmung zu der von mir avisierten Vergleichsquote gegeben haben und jetzt schriftlich sagen, sie machen es nicht. Das ist natürlich extrem bitter, weil wir das Gesamtkonzept darauf ausgerichtet hatten. Dass der größte öffentlich-rechtliche Gläubiger – und das ist nicht das Finanzamt – jetzt an dieser Stelle sagt: Wir sind nicht kompromissbereit – das ist natürlich ein großes Problem. Wir haben auf der anderen Seite auch Ex-Spieler, die Kleinstforderungen haben und sagen: Im Leben verzichte ich auf gar nix, ich will alles, und wenn der Verein dabei über die Wupper geht, dann ist das eben so.“

…die Bezahlung der Spieler
„Die Spieler haben bis jetzt Geld bekommen. Wir haben am Dienstag noch einen Lohnlauf gehabt. Seit dem Tag meiner Bestellung [7. April, Anm.] sind alle Löhne bezahlt. In der Zeit davor gibt es ungefähr anderthalb Monatsgehälter, die offen sind.“

…sein Gespräch mit der Mannschaft
„Ich habe gestern Abend allen Spielern die Option eingeräumt: Wenn ihr wechseln wollt und etwas Neues habt, dann unterschreibe ich auch einen Aufhebungsvertrag, egal zu welchem Stichtag. Ich denke, das ist eine Frage der Fairness. Denn ich kann Euch keine Gewissheit mehr geben, dass das klappt. Mein Eindruck war aber, dass das Gros der Mannschaft gesagt hat: Nee, wir ziehen das jetzt durch, wir machen weiter.“