Bild Borussia vs Steinbach

Herber Rückschlag für Borussia beim 0:3 gegen SG Ottweiler/Steinbach

Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit, Ratlosigkeit. So in etwa könnte man die Stimmung umschreiben, die sich im weiten Rund des sonnendurchfluteten Ellenfelds ausbreitete, als Alessia Jochum aus Riegelsberg am Sonntag gegen 16.50 Uhr ihr erstes Saarlandliga-Spiel als Schiedsrichterin abpfiff. Die Anzeigentafel zeigte das Resultat 2:0 an. Damit wäre jeder im Lager der Borussia zufrieden gewesen. Die Realität sah anders aus: Gerade hatte die SG Ottweiler-Steinbach Borussia mit 3:0 die zweite Heimniederlage zugefügt. Etwas zu hoch, aber beileibe nicht unverdient.

„Einen blutleeren, emotionslosen Auftritt“ attestierte Borussen-Boss Martin Bach im Spielertunnel der Mannschaft. Derweil verriet der leere Blick von Tim Cullmann pure Enttäuschung. Noch Minuten nach Spielende saß Borussias Nummer 23, der 90 Minuten zuvor sein Team als Kapitän aufs Feld geführt hatte, regungslos an die Werbeband gelehnt auf dem Rasen neben der Trainerbank. Auf ihr Yannik Nagel und Kamil Czermurzynski, der als erster seine Sprache wiederfand: „Wenn wir unsere Chancen nicht reinmachen, haben wir es auch nicht verdient zu gewinnen“, echauffierte sich der baumlange Abwehrspieler Borussias. Angreifer Daniel Ruschmann fühlte sich an überwunden geglaubte Zeiten erinnert: „Wir machen das 1:0 nicht, geraten stattdessen zu einem ungünstigen Zeitpunkt nach der Pause in Rückstand und verfallen dann wieder in das alte Muster von vor vier Wochen. Einfach unerklärlich“, so seine Analyse.

Werbung


In der Tat: Den Aussagen von Borussias Akteuren ist unumwunden zuzustimmen. Die Mannschaft, die auf den im Abschlusstraining verletzten Mo Benghebrid (Zerrung) verzichten musste, kam zu Beginn gut ins Spiel. Vor allem über die rechte Seite entwickelte Tim Cullmann viel Druck, wenn auch klare Torgelegenheiten zunächst ausblieben. Die boten sich dann kurz vor der Pause gleich zweimal Daniel Ruschmann. Zunächst setzte er eine zu kurz geratene Faustabwehr von Steinbachs Torhüter Seiwert (nach einem Diallo-Knaller) knapp neben den linken Pfosten, wenig später wurde sein Abschluss (nach Lomma-Pass in die Schnittstelle) von einem Steinbacher Abwehrbein auf den letzten Zentimetern von der Linie gekratzt. Keine Frage: Nach einer eher ereignisarmen ersten Hälfte mit viel Mittelfeldgeplänkel musste Borussia eigentlich führen! Die Gäste machten zwar defensiv mit guter Staffelung den Grimm-Schützlingen das Spiel schwer, hatten aber offensiv außer ein paar Distanzschüssen, die Philippe Persch im Borussen-Tor nicht ernsthaft prüfen konnten, nichts zu bieten.

Mit aufmunterndem Applaus und „Borussia, Borussia“-Rufen begrüßten die Anhänger ihr Team bei der Rückkehr auf den grünen Rasen. Doch mit zunehmender Spieldauer ließ sich Borussia das Heft aus der Hand nehmen und den Rhythmus vom Gegner diktieren. Als Carmelo Ferrara nach knapp einer Stunde die SG Ottweiler-Steinbach mit einem platzierten Flachschuss aus halblinker Position aus dem Nichts heraus in Führung brachte und Marvin Gabriel fast im Gegenzug aus elf Metern freistehend die Lederkugel über das Tor der Gäste jagte, griff pure Verunsicherung im Borussen-Lager um sich. Die konnte auch durch die offensiv ausgerichteten Einwechslungen von Jens Kirchen, Nicolas Gil Rodriguez und Marcel Jung nicht mehr aus den Köpfen gepustet werden. Den Willen konnte man der Mannschaft von Tobias Grimm dabei noch nicht einmal absprechen, doch das Team wirkte wie gelähmt. Auch wenn Neuzugang Mehdi Lomma immer wieder das Spiel Borussias unermüdlich ankurbelte, verpufften alle Bemühungen im gegnerischen Strafraum, wo der zweite Neue, Momo Diallo, nicht wie gewünscht zum Zuge kam. Spätestens nach dem allzu beherzten Zugriff von Philippe Persch gegen den eingewechselten Sebastian Veith und dem durchaus akzeptablen Elfmeterpfiff, war dann „die Messe gelesen“. Dass Osman Akyol, der zuvor den Strafstoß sicher zum 0:2 versenkt hatte, fast mit dem Schlusspfiff das Resultat auf 0:3 stellte, war nicht mehr als Ergebniskosmetik.

Blieb bei Borussia zum Schluss nur eine gehörige Portion Frust und die Erkenntnis, dass die in den letzten fünf ungeschlagenen Pflichtspielen erkennbare Stabilität ein noch sehr fragiles Gebilde darstellt. Die Mannschaft hat mit den beiden Neuzugängen zweifellos an individuellem Potential gewonnen. Dieses auch mannschaftlich umzusetzen und auf den Platz zu bringen bedarf weiter harter Arbeit, gepaart mit Ruhe und Geduld, Rückschläge inklusive! 0:3 – Borussia ist erneut hingefallen. Jetzt heißt es wieder aufstehen. Dass die Mannschaft das kann, hat sie vor Wochen nach dem nicht minder bitteren 1:4 im Ellenfeld gegen die FSG Bous bewiesen. (-jf-)

Borussia in der Statistik:

Unsere Mannschaft: Philippe Persch – Jannik Nagel, Daniel Ruschmann, Marco Dahler, Mouhamad Diallo, Mehdi Lomma, Marvin Gabriel (ab 61. Jens Kirchen), Kamil Czeremurzynski, Tim Cullmann (ab 76. Marcel Jung), Giuseppe Vituzzi (ab 64. Nicolas Gil Rodriguez), Mamadou Traore. – Unser Trainer: Tobias Grimm.

Tore: 0.1 (58.) Ferrara, 0:2 (85.) Akyol (Fouelfmeter), 0.3 (90.) Akyol. – Schiedsrichterin: Alessia Jochum (Riegelsberg). – Zuschauer: 350.