Vereinsvorsitzender Giuseppe Ferraro (Foto: Th. Burgardt/borussia-online.de)

Giuseppe Ferraro im Interview

Rund ein Jahr, seit dem 3. Oktober 2011, ist der Neunkircher Unternehmer Giuseppe Ferraro nunmehr als 1. Vorsitzender von Borussia Neunkirchen im Amt. Im Interview mit Till Hust äußert er sich zur aktuellen sportlichen wie wirtschaftlichen Situation und zieht eine Bilanz über seine bisherige Zeit beim Neunkircher Traditionsverein.

Herr Ferraro, seit nunmehr rund einem Jahr sind Sie als 1. Vorsitzender von Borussia Neunkirchen tätig. Wie sieht ihr bisheriges Fazit aus?

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Als mich Okan Kaya, Martin Bach und Roland Eich im September letzten Jahres kontaktierten, war ich überrascht und neugierig auf die Borussia sowie die handelnden Personen – schließlich ist der Verein aufgrund seiner erfolgreichen Historie weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Angetan war ich von dem positiven Elan, den die neue Mannschaft damals im Aufsichtsrat versprühte sowie der Identifikation mit dem Verein. Nach reiflicher Überlegung mit meiner Familie brauchte es auch letztlich keine große Überzeugungsarbeit mehr, so dass ich die verantwortungsvolle Aufgabe beim Neunkircher Traditionsverein Borussia auch gerne annahm und Teil des Teams wurde. Als wir dann aber nach und nach die genauen Zahlen erhielten, war ich doch sehr schnell ernüchtert bis geschockt. Dennoch ist seither viel passiert, sowohl sportlich als auch finanziell.

Innerhalb des Vereins gab und gibt es noch viele Aufgaben, die bewältigt werden müssen, bis man tatsächlich das angestrebte Ziel „Aufstieg in die Regionalliga“ erreichen kann. Was gab und gibt Ihnen immer noch den Ansporn, den „schlafenden Riesen“ Borussia wieder aufzuwecken?

Zunächst einmal bin ich Neunkircher und als Bewohner dieser Stadt stolz auf das sportliche Aushängeschild Borussia. Insofern hat es mich sehr gefreut, dass ich vom Verein gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte 1. Vorsitzender zu werden. Potential ist in Neunkirchen durchaus vorhanden, so dass ich zusammen mit den anderen Verantwortlichen gerne bereit war zu helfen. Leider ist es nun mal so, dass wir einen Verein übernommen hatten, der finanziell absolut am Ende war. Insofern mussten wir zunächst die Finanzen sondieren und eine Situationsanalyse des Vereins durchführen. All dies hat immens viel Zeit gefordert; wir kämpfen leider auch heute noch stark mit den finanziellen Altlasten sowie verloren gegangenem Vertrauen. Die genauen Zahlen wollen wir bei der nächsten Mitgliederversammlung, die wahrscheinlich im Januar stattfinden wird, darlegen. Sportlich standen wir leider auch nicht viel besser da, so dass wir nach intensiven Gesprächen im Januar mit Paul Linz einen erfahrenen Fußballlehrer verpflichten konnten.  

Was hat sich alles positiv verändert, seit dem Sie vor einem Jahr bei der Borussia begonnen haben?

Nun, was sich positiv verändert hat sollen letztlich andere beurteilen, aber wir haben durch einen neuen Trainer sowie eine neue Mannschaft versucht, den sportlichen Erfolg nach Neunkirchen zurück zu bringen. Allerdings müssen wir hierzu noch konstanter spielen, damit wir am Ende der Saison dort stehen wo wir hingehören – in der Spitzengruppe der Liga. Weiterhin haben wir Bereiche des Stadions durch Malerarbeiten sowie neues Inventar verschönert und noch wichtiger, in Zusammenarbeit mit der Stadt Neunkirchen und dem Land, eine Photovoltaikanlage für unser Stadion erhalten. Erwähnenswert ist hier auch der Einsatz unserer Fans innerhalb des Stadions, speziell in deren Fankurve. Zudem haben wir an den finanziellen Altlasten gearbeitet, was uns nachweislich gelungen ist. Auch im Bereich Sponsoring waren wir sicherlich nicht untätig, so dass wir die Einnahmeseite erheblich steigern konnten.

 

„Wir sind in guten Gesprächen mit der Stadt Neunkirchen sowie mit Vertretern der Landesregierung“

 

Aktuell machen sich viele Anhänger der Borussia sorgen um das altehrwürdige und legendäre Ellenfeldstadion. Dank Ihrer Firma F&R konnte die Tribüne durch Fangnetze und Absperrungen zuletzt provisorisch gesichert werden.

Nicht nur dank meiner Firma. Die Stadt hat ebenfalls Fangnetze errichten lassen. All diese Maßnahmen wurden in enger Absprache zwischen Stadt und Verein durchgeführt. Leider wurden wir alle zu diesen Maßnahmen gezwungen. Generell möchte ich betonen, dass weder die aktuelle Verwaltungsspitze der Stadt Neunkirchen um Oberbürgermeister Jürgen Fried und Bürgermeister Jörg Aumann noch die aktuellen Verantwortlichen der Borussia für den Zustand des Stadions bzw. für etwaige Verträge verantwortlich sind. Wir sind aber in guten Gesprächen mit der Stadt Neunkirchen sowie mit Vertretern der Landesregierung, um an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. Allen Vertretern ist aber bewusst, dass dieses sensible Thema durchdacht behandelt werden muss, damit wir den Standort sowie das Stadion Ellenfeld nachhaltig erhalten können.

Also gibt es Gespräche mit Stadt und Land in Sachen „Ellenfeldsanierung“?

Ja, aber es bringt wenig über „ungelegte Eier“ zu sprechen. Reden und spekulieren sollen andere, wir versuchen an einer Lösung zu arbeiten und wenn wir Ergebnisse erzielt haben, werden wir diese auch vermelden.

Die Fans wollen sich für den Erhalt des Ellenfeldstadions einsetzen. Wie stehen die Verantwortlichen hierzu?

Wir begrüßen es ausdrücklich, dass sich die Fans für das Stadion einsetzen und damit auch der Öffentlichkeit zeigen, dass dieses einzigartige Stadion und damit auch der Verein immer noch vielen Menschen in und um Neunkirchen am Herzen liegt. Weniger gut hat uns allerdings gefallen, dass der Vorstand der Borussia sowie die Stadt Neunkirchen in einem überregionalen Artikel so dargestellt wurden, als wenn wir uns nicht zum Erhalt des Ellenfeldstadions bekennen würden bzw. der Verein sich noch nicht dazu geäußert hätte. Ein solches Statement, noch dazu von unserem Fanbeauftragten, bringt uns sicherlich nicht weiter und behindert zudem unsere Verhandlungsposition. Außerdem stimmt dies bekanntlich überhaupt nicht und das stört mich ebenso kolossal wie das Gerücht, dass ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit einen Abriss des Stadions begrüßen würde. 

Sie sprechen den Artikel in der 11Freunde an?

Richtig, dies ist auch der Grund dafür, dass wir uns von Herrn Kassner als Fanbeauftragtem getrennt haben. Zuvor gab es auch schon Emails an den Verein, in denen (politische) Verlinkungen auf der privaten Homepage des Fanbeauftragten moniert wurden sowie „Beschwerden“ seitens politischer Vertreter – dies kann nicht im Interesse des Vereins sein.

Wäre für das angestrebte Ziel „Aufstieg in die Regionalliga“ eine Flutlichtanlage im Ellenfeld notwendig um die strengen Vorgaben des DFB zu erfüllen?

Es gibt diverse Vorgaben, die der Verein erfüllen muss, dazu gehört sicherlich auch die Errichtung einer Flutlichtanlage, die natürlich sowieso wünschenswert für einen Verein wie Borussia wäre.

 

„Wir wollen natürlich den sportlichen Erfolg“

 

Welche Ziele strebt der Vorstand in den kommenden Monaten an?

Wir wollen den Verein zunächst einmal wirtschaftlich auf gesunde Beine stellen und ihn nachhaltig konsolidieren, so dass sein Bestand dauerhaft gesichert werden kann. Dann wollen wir natürlich den sportlichen Erfolg, denn mit diesem steht und fällt alles andere rund um die Borussia. Weiterhin wollen wir eine Satzungsänderung durchführen, in der den Mitgliedern wieder mehr Mitsprache eingeräumt werden soll. Auch sind wir in wichtigen, aussichtsreichen Gesprächen mit namhaften Unternehmern der Region, die wir für unsere Vereinsgremien gewinnen wollen. Zudem werden wir uns für den Erhalt des Ellenfeldstadions einsetzen und aktiv an der Infrastruktur des Vereins arbeiten.

Sie sprechen den sportlichen Erfolg an. Wie zufrieden sind sie denn mit der aktuellen sportlichen Situation?

Aktuell stehen wir in der Tabelle auf Platz 4 mit Anschluss nach oben, womit wir durchaus zufrieden sind. Unser Ziel in dieser Saison war eine Platzierung unter den ersten drei, was wir ohne weiteres noch erreichen können. Mit den Leistungen sind wir aber nicht zu 100 Prozent zufrieden, da die Mannschaft ihr zweifelsfrei vorhandenes Potential leider nicht immer abrufen konnte. Dies hat uns leider auch Zuschauer gekostet. Aber wir glauben an diese Mannschaft und sind sicher, dass mit ihr der Erfolg ins Ellenfeld zurückkehrt.

Haben Sie vor, in der Winterpause nochmals auf dem Transfermarkt tätig zu werden?

Die Zusammenstellung des Kaders ist Aufgabe des Trainers sowie des Sportvorstandes. Wenn wir allerdings einen Spieler bekommen können, der uns weiter bringt, kann man sicherlich über alles nachdenken.

Das Interview führte Till Hust.

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