Geschichte des Ellenfeldstadions

Das Ellenfeldstadion kurz nach seiner Eröffnung im Jahr 1912 (Foto: Vereinsarchiv)

Das Ellenfeldstadion ist einer der ältesten Schauplätze des deutschen Fußballs. 2012 wird das Stadion seit 100 Jahren bespielt. Hier die elf wichtigsten Daten der Geschichte dieses Orts.

1911 – Seit 1909 spielt Borussia Neunkirchen auf einem Sportplatz am Heusnersweiher. Der Friedrichspark fasst mehrere tausend Zuschauer. Als die Neunkircher Turnerschaft den Platz auch für sich beansprucht, sucht Borussia nach Alternativen. Im November 1911 pachtet sie vom sportbegeisterten Eigentümer der Neunkircher Schloss-Brauerei, Otto Schmidt, ein sumpfiges Tal in der Nachbarschaft: das Ellenfeld. Unter Aufwendung von 25.000 Mark wird das Ellenfeld in den folgenden Monaten hergerichtet (Foto).

7. April 1912 – Die Borussia bestreitet am Ostersonntag gegen die Fußball-Mannschaft des Infanterie-Regiments 105 Straßburg das erste Fußballspiel auf dem „Borussia-Sportplatz“ im Ellenfeld (6:3). Dem Straßburger Regiment gehört unter anderem der spätere NS-Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten an.

14. Juli 1912 – Mit Nationalen Olympischen Wettkämpfen wird der „Borussia-Sportplatz“ offiziell eingeweiht. An den Wettkämpfen, die während der Olympiade in Stockholm stattfinden, beteiligen sich nicht weniger als 22 Sportvereine aus dem gesamten Reichsgebiet. Schirmherr ist Constanz von Balz, der Präsident des Regierungsbezirks Trier, dem Neunkirchen damals angehört. Das Ellenfeld soll eine in der gesamten Region sichtbare Werbefläche für die bürgerliche Sportbewegung sein.

14. Juli 1920: Borussia Neunkirchen - MTK Budapest 2:3 (Foto: Vereinsarchiv)1920/21 – Nachdem am 14. Juli 1920 zum Spiel der Borussia gegen MTK Budapest (2:3, Foto links) erstmals 10.000 Zuschauer ins Ellenfeld gekommen sind, macht sich eine eigens gegründete Tribünengesellschaft an den Bau einer imposanten Holztribüne im Bereich der heutigen Gegengerade. Finanziert wird das Projekt über Zuschläge auf den Eintrittspreis. Im Laufe der 1920er Jahre finden bei Spielen um die Süddeutsche Meisterschaft wiederholt über 10.000 Menschen den Weg ins Neunkircher Stadion. Borussia ist damit der unbestrittene Zuschauermagnet im damals vom Deutschen Reich abgetrennten Saargebiet.

25. Dezember 1921: Borussia Neunkirchen - FK Teplitz (Foto: Vereinsarchiv)Dezember 1928 – Die Holztribüne (Foto) brennt ab. Die Saarbrücker Zeitung berichtet darüber in einem poetisch anmutenden Artikel. Wie diesem zu entnehmen ist, werden für den Brand im Stadion übernachtende Obdachlose verantwortlich gemacht. Versicherer Gerling macht die Auszahlung der fälligen Entschädigung vom Bau einer neuen Tribüne abhängig.

Frühjahr 1930 – Die neue Tribüne (Foto unten), ein Massivbau mit Wirtschaftsräumen, einer Geschäftsstelle sowie bis heute erhaltenen Dusch- und Umkleideräumen, wird eröffnet. Auch diesmal zeichnet sich die Tribünengesellschaft, der neben Bauunternehmern und Handwerkern einige Mitglieder der Borussia angehören, für die Arbeiten verantwortlich. Sie wird Eigentümerin des Bauwerks, das jedoch teurer war als geplant. Schließlich wird die Tribüne inklusive Schulden an den Verein übertragen. 1932 kann die Borussia die Gläubiger nicht mehr bedienen und steht vor dem Bankrott. Als Retter erweisen sich die jüdischen Kaufleute Alfons Herzberger und Richard Rothenberg vom Neunkircher Kaufhaus Joseph Levy Wwe. AG.

Die Tribüne von 1930 (Foto:Vereinsarchiv)Über Herzberger ist bekannt, dass er nach der Rückgliederung des Saargebiets ans Deutsche Reich im März 1935 in Paris im Exil lebte. Dort unterstützte er Intellektuelle wie Walter Benjamin, die ebenfalls vor den Nazis ins Ausland geflohen waren. Dagegen unterstützte die Borussia auch nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ offensiv das Projekt einer „Deutschen Saar“. So finden sich im Vereinsarchiv unter anderem Aufnahmen von der Teilnahme des Vereins an einer Saar-Kundgebung in Schwäbisch Gmünd im Jahr 1934. Zu sehen ist ein Reisebus mit Banner, auf dem neben dem Vereinswappen zu lesen stand: „Deutsch die Saar – Treu deutsch immerdar.“ Zusätzlich wurden Hakenkreuz-Fahnen aus den offenen Fenstern gehängt.

1948 – Hatte sich die Borussia bei Abschluss des Pachtvertrages 1911 ein Vorkaufsrecht ins Grundbuch eintragen lassen, so gelingt es nun endlich das Gelände des Ellenfeldstadions sowie angrenzende Parzellen zu erwerben. Nicht unbedeutend war in dieser Angelegenheit der politische Einfluss des Vereinsvorsitzenden und späteren Ehrenpräsidenten Robert Neufang.

Neufang gehörte nach Kriegsende der Verwaltungskommission des Saarlandes an und war Mitglied der Kommunistischen Partei. Aus dieser schied er aus, da er die antifranzösische Politik der KP nicht unterstützen wollte.

Blick auf die Sporthalle des Ellenfeldstadions (Foto: Vereinsarchiv)1952-1960 – Borussia bemüht sich um einen Ausbau des Stadions. Teil dieser Bemühungen ist die vom Gründungsmitglied Albrecht Menzel verfasste Denkschrift Ellenfeld-Stadion – Aufbau, Ausbau, Neues Leben (1952), auf deren Titelblatt eine Zeichnung Menzels zu sehen ist. Sie zeigt das Ellenfeld mit einer am Hang zur Schloss-Brauerei hin aufsteigenden Tribüne für mehrere tausend Zuschauer und folgt Entwürfen des Architekten Felix Schaan, die so nie verwirklicht wurden. Dafür entsteht Ende der 1950er Jahre unter Mithilfe des Sozialdemokraten Norbert Engel die ebenfalls von Schaan geplante, ins Stadion integrierte Sporthalle (Foto). Mit der Halle wird der über mehrere Jahre betriebene Ausbau vorerst abgeschlossen.

1964: Bau der Spieser Kurve (Foto: Vereinsarchiv)1964/65 – Nach dem Aufstieg in die Bundesliga wird das Ellenfeldstadion zur Baustelle. Die umlaufenden Stehränge werden vollständig erneuert. Binnen eines Jahres entsteht zudem eine Haupttribüne mit 3.000 Sitzplätzen. Sie wird größtenteils als Hochbau ausgeführt und ragt 15 Meter in den Himmel. Gleiches gilt für die seitlich an die Tribüne anschließenden Ränge, die heutige Fan- sowie die Spieser Kurve (Foto). Dadurch kann das Fassungsvermögen des Ellenfelds von 18.000 auf 30.000 Zuschauer gesteigert werden. Obwohl die Bauarbeiten zügig vorangehen, werden die Heimspiele dieser Saison in einem unfertigen Stadion ausgetragen. Was den Zugang der Massen jedoch nicht einschränkt: Im Schnitt verfolgen 18.755 Zuschauer die Partien der Borussia, die zu Hause überzeugende Siege gegen den Hamburger SV (3:1), 1860 München (3:0) und Eintracht Frankfurt (4:0) feiert.

Musste die Borussia in der Frühzeit des Ellenfelds bei der Baufinanzierung weitgehend ohne öffentliche Gelder auskommen, so änderte sich dies nach 1945. Schon während des Ausbaus der 1950er Jahre hatte der Verein auf staatliche Mittel zurückgreifen können. Zusätzlich war er damals vom Neunkircher Eisenwerk (NE) finanziell unterstützt worden. Als es im Juli 1964 daran ging, das Ellenfeld für die Bundesliga fit zu machen, ließ der mittlerweile zum Präsidenten aufgestiegene Norbert Engel noch einmal seine Kontakte spielen. Am Ende steuerten Landesregierung und Sportplanungskommission nicht weniger als 1,4 Millionen DM zur Finanzierung der Bauarbeiten bei. Daneben übernahm die Stadt Neunkirchen die Zinszahlungen für ein vom Verein aufgenommenes Bankdarlehen (400.000 DM).

21. Februar 1990 – Der Neunkircher Stadtrat bewilligt den Kauf des Ellenfeldstadions. Dadurch verliert die Borussia zwar ihre vereinseigene Sportstätte, entgeht bei einem Schuldenstand von 2,3 Millionen DM aber dem Bankrott. Die Stadt Neunkirchen zahlt dem Verein mehr als die Hälfte dieses Betrags (1,2 Millionen DM).

30. August 2003: Borussia Neunkirchen - Bayern München (Foto: M. Becker)2002 – Im ersten Halbjahr wird die Haupttribüne von Grund auf saniert. Sie erhält ein komplett neues Dach und 2.300 rote Schalensitze, mit denen die teilweise aus den 1930er Jahren stammenden Holzbänke ersetzt werden. Die Tribünenarbeiten sind Teil eines vom Verein, der Stadt, Land, Saarland-Sporttoto und Sportplanungskommission getragenen Sanierungsplans. Als die Borussia im Jahr 2003 zahlungsunfähig ist und ein Insolvenzverfahren eröffnet werden muss, wird der hart erarbeitete Plan auf Eis gelegt. Losglück im DFB-Pokal bewahrt den Verein jedoch vor dem Aus. Am 30. August 2003 kommt Bayern München zu einem Gastspiel ins Ellenfeld. Um möglichst viele Zuschauer ins Stadion zu bekommen, wird auf der Gegengerade eine Zusatztribüne aufgebaut. Sie erinnert ebenso an den Holzbau der 1920er wie an die Entwürfe der frühen 1950er Jahre. Am Ende sehen 23.400 Zuschauer (Foto: M. Becker) ein ungleiches Duell zwischen der Borussia und dem deutschen Rekordmeister (0:5).

Tobias Fuchs

Literatur:

  • Tobias Fuchs: Ellenfeldstadion – Geschichten aus dem Keller, in: Werner Skrentny (Hg.): Das große Buch der deutschen Fußballstadien, Neuausgabe, Göttingen 2010, S. 279-280.
  • Wolfgang Rausch/Jens Kelm: Mythos Ellenfeld-Stadion, in: Borussia Neunkirchen (Hg.): Mythos Ellenfeld. 100 Jahre Borussia Neunkirchen, Neunkirchen 2005, S. 271-281.
  • Bernd Reichelt: Fußball und regionale Identität im Saarland der 1950er und 1960er Jahre. Entwicklung und Anpassung eines Fußballvereins in Zeiten des beschleunigen Wandels am Beispiel von Borussia Neunkirchen, Diplomarbeit, Saarbrücken 2007.