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„De Ringel Karl“ – 85 bewegte Jahre!

Borussia-Legende, Ehrenspielführer, Nationalspieler:

 

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Von Jo Frisch

Unsere Fotos: Karl Ringel heute / Eine Rarität: Karl Ringel schießt beim 3:2-Erfolg des Saarlandes in Amsterdam das letzte Tor der saarländischen Nationalelf.

85 Jahre alt wird am Samstag (30. September) Borussia-Legende Karl Ringel. Ein Grund, unserem Nationalspieler ganz herzlich zu gratulieren und alles Gute zu wünschen. Allemal ein Anlass, um auf Highlights seiner Karriere zurückzuschauen.

Der gebürtige Franke lernte seit seinem 10. Lebensjahr das Fußball-ABC in seiner Heimatstadt Fürth. Bei den „Kleeblättern“ durchlief er bis 1950 die komplette Jugendabteilung. Die Arbeitsplatzsuche führte den damals 18jährigen an den Bodensee: In Friedrichshafen war Ringel als Maschinenschlosser tätig und verstärkte den dortigen VfB in der 1. Amateurliga Württemberg, wo er durch Spielmacherqualitäten und Abschlussstärke auch den Verantwortlichen der Borussia auffiel. Es gelang ihnen, „de Ringel Karl“, wie der Offensivspieler in Neunkirchen bis heute gerufen wird, ins Ellenfeld zu lotsen. Bei den Neunkircher Stadtwerken war Ringel als Sachbearbeiter tätig. Schnell stellte sich heraus, dass der Borussia mit diesem Transfer ein Glücksgriff gelungen war. Mit Karl Ringel avancierte die Mannschaft ab 1957 zu den Spitzenteams im Südwesten, mehr noch: Auch in den Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft ließ Borussia immer wieder aufhorchen. Mit Karl Ringel erreichten die Ellenfelder 1959 das Finale um den DFB-Pokal (2:5 gegen Schwarz-Weiß Essen) und führte auch beim ersten Live-Spiel der Fernsehgeschichte (Borussia siegte 6:0 im Ludwigspark gegen den 1. FC Saarbrücken) Regie. Schon zuvor hatte er einige Länderspiele in der B- und A-Auswahl des Saarlandes absolviert, erzielte im Juni 1956 gar beim 3:2-Sieg gegen die Niederlande in Amsterdam das letzte Tor einer saarländischen Nationalmannschaft. Bundestrainer Sepp Herberger berief den Borussen auch in die DFB-Auswahl, für die Ringel im Dezember 1958 ein A-Länderspiel (1:2 in Ägypten) bestritt.

Den aus Borussen-Sicht sicherlich größten Erfolg erlebte Karl Ringel im Sommer 1964. Mit 9 Toren hatte er bereits maßgeblich zum Titelgewinn in der Regionalliga Südwest beigetragen, mit zwei weiteren verhalf er Borussia wenige Wochen später zum Aufstieg in die Bundesliga. Dabei schien nach der Hälfte aller Spiele die Situation bereits aussichtslos: Das erste Spiel in Berlin war mit 1:5 gegen Tasmania verloren gegangen, die Bayern siegten im „Ausweichquartier“ Ludwigspark mit 1:0. „Die Pressefritzen sind zu uns in die Kabine gekommen und haben gesagt: Jetzt ist alles aus“, erzählt Karl Ringel. Im Rückspiel an der Grünwalder Straße hatte Karl Ringel vom Elfmeterpunkt die Chance zum Führungstor. Bayerns Herbert Erhardt, der vor dem Spiel siegessicher angekündigt hatte, es „mit der Borussia gnädig zu machen“, flachste: „Komm´, hau ihn vorbei, den braucht ihr ja eh nicht mehr.“ Doch Ringel vollstreckte, Günter Kuntz setzte noch einen drauf, und der mit einer Sondergenehmigung als Jugendspieler eingesetzte Frank Beckenbauer hatte mitsamt seiner hochkarätig besetzten Mannschaft das Nachsehen. Ringel traf vier Tage später auch zum „goldenen Tor“ auf St. Pauli, und so war gegen Tasmania Berlin am finalen Spieltag plötzlich der Aufstieg wieder möglich. Borussia siegte auch hier durch Elmar Mays Tor. Ausgerechnet im Stadion des großen Rivalen war der Aufstieg gelungen, während der 1. FC Saarbrücken, ein Jahr zuvor bei Gründung der Bundesliga der Borussia noch vorgezogen, absteigen musste. Stunden nach dem Schlusspfiff empfingen Tausende am heimischen Ellenfeld Karl Ringel und seine Kameraden. „Das war schon ein Mordsspektakel“, erinnert sich Ringel. 244 Spiele und 107 Tore – so lautet seine eindrucksvolle Bilanz im Borussen-Dress. Dass ihm dabei nach dem Aufstieg nur noch ein Bundesligaspiel vergönnt war (im Mai 1965 beim 1:1 im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC), lag an zahlreichen Verletzungen, die unerbittlich ihren Tribut forderten. Im Sommer 1965 musste Karl Ringel seine aktive Laufbahn beenden.

Und heute? Die Borussia, seine Borussia interessiert ihn nach wie vor. Michael Kipp, Redakteur der „Saarbrücker Zeitung“, traf Borussias Ehrenspielführer vor dem Schaukasten in der Bahnhofstraße beim Lesen der neuesten SZ-Ausgabe. „Kaufen“, lautet da die Ansage. „Steht ja nichts mehr über die Borussia drin“, antwortet Ringel. „Aber was willst du auch schreiben? Ist ja nix mehr los mit der Borussia“, sagt er und schaut ein wenig traurig. Höchste Zeit, das zu ändern, höchste Zeit, „dem Ringel Karl“, der trotz einer großen Karriere stets bescheiden geblieben ist, exakt an seinem Ehrentag (30. September) eine kleine Freude, ein Geburtstagsgeschenk zu machen: Mit einem Sieg beim SV Mettlach.

Borussia wünscht ihrem Ehrenspielführer Gesundheit, Glück und Zufriedenheit, und dass er den ihm eigenen Humor nicht verliert – auf noch möglichst viele gute Jahre, Karl! (-jf-)

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