Darmstadt 001

Benefizspiel gegen SV Darmstadt

Borussia Neunkirchen begrüßt mit dem SV Darmstadt 98 einen weiteren Bundesligisten im Neunkircher Ellenfeld zum Benefizspiel
Anlässlich des Solidaritätsspieles der Darmstädter, die aktuell die Bundesliga überraschen, ein Blick zurück ins Jahr 2001.

Der Artikel ist 11Freunde entnommen und ist auch hier nachzulesen: http://www.11freunde.de/artikel/als-schalke-den-sv-darmstadt-98-rettete
Alles war vorbei. So schien es jedenfalls. Es war der 27. November 2001, als Walter Grimm, damals Präsident des SV Darmstadt 98, zu einem Krisengespräch mit seinem Hauptsponsor Wella bat. Darmstadt fehlten damals 466.000 Mark, um seinen Etat auszugleichen.

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Wieder einmal lag der Klub darnieder. Er war 1982 von der Bundesliga in die Zweite Liga abgestiegen, 1993 von der Zweiten Liga in die drittklassige Oberliga und musste 1998 sogar den Weg in die Viertklassigkeit antreten. Nun waren die Lilien zwar zurück in der drittklassigen Regionalliga, aber dort dümpelte der Klub mehr schlecht als recht im Niemandsland der Tabelle umher. Immerhin war die Mannschaft als Sieger des hessischen Pokalwettbewerbs, wo sie ein Jahr über die Sportplätze der Provinz gekämpft hatte, in die Erste Runde des DFB-Pokals eingezogen.
Trotzdem fehlte Geld an allen Ecken, und die Fans gingen auf die Barrikaden, denn ihre Mannschaft konnte nicht mal gegen Teams wie VfR Mannheim, Ansbach 09 oder Eintracht Trier gewinnen. Und nun musste noch ganz schnell Geld her, beinahe eine halbe Million Mark. Kündigte sich das nächste Sterben eines Traditionsklubs an? Fakt war, dass die Existenzängste wieder einmal groß waren und der gesamte Verein in einem Tal der Tränen lag.

Keine 24 Stunden später stand Grimm in einer Jubeltraube und wippte und wankte durch die Menge. Darmstadt hatte im DFB-Pokal den zweiten Bundesligisten in Folge besiegt: nach dem FC St. Pauli (3:1) musste nun der SC Freiburg in einem der dramatischsten Pokalspiele in der Geschichte der Lilien dran glauben. 2:1 führten die 98er, bis Alexander Iashvili fünf Minuten vor Abpfiff ausglich. 3:2 lagen sie in der Verlängerung in Front, bis Fabian Gerber drei Minuten vor Schluss egalisierte.

Man musste annehmen, dass der Wille des Underdogs gebrochen war und die Nerven im Elfmeterschießen versagen würden. Aber das Gegenteil war der Fall: Drei Freiburger versagten vom Punkt, Darmstadt gewann das Elfmeterschießen mit 3:1. SCF-Trainer Volker Finke resümierte anerkennend in der »FAZ«: »Hier spürt die Sehnsucht nach mehr als Regionalligafußball!«
Walter Grimm hatte indes ganz andere Gedanken. Er sah plötzlich die fünf- und sechsstelligen Geldbeträge auf den Kontoauszügen. Er sah die Rettung nah, würde den Darmstädtern doch nur wieder ein Bundesligist ans zugelost werden. Der VfB Stuttgart. Seinetwegen auch Leverkusen. Oder sogar der FC Bayern. Nur bitte nicht Oberhausen oder Uerdingen.

Grimm stand im VIP-Raum des Böllenfalltors, der flimmernde Fernseher, der Blick auf die Kugeln, der Moderator, die Glücksfee – und dann stand es da, das Spiel der Spiele. Die Partie, die dem Klub zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten wieder ein ausverkauftes Haus bescheren würde und einen Geldsegen von 600.000 Mark:
Darmstadt 98 gegen den FC Schalke 04.

Am 12. Dezember brach eine Fußballeuphorie in der Stadt aus, wie man sie seit Jahren nicht erlebt hatte. Schon im Vorverkauf gingen 16.000 Tickets weg, die restlichen 9000 Karten waren am Tag des Spiels in Windeseile vergriffen.

Trainer Michael Feichtenbeiner trat dennoch auf die Euphoriebremse: »25.000 Zuschauer haben die Schalker im Training, für uns ist das wie Champions League!« Auch sonst machte Feichtenbeiner ganz auf Außenseiter. Gegen Topstars wie Ebbe Sand, Andreas Möller, Marc Wilmots oder Gerald Asamoah müsse man schon sehr viel Glück haben. Und: »Unsere Aufstellung hätte ich Huub Stevens auch einen Tag vor dem Spiel geschickt. Er hätte damit eh nichts anfangen können.«

Am Ende fehlten Darmstadt fünf Minuten. Es war es wie im Spiel gegen Freiburg – der Gegentreffer fiel in der Schlussphase der Verlängerung, genauer gesagt in der 115. Minute. Die Sache war nur: Darmstadt hatte bis dahin kein eigenes Tor gemacht. Als Torhüter Andreas Clauss nach em Spiel erklärte, dass er »so einen Hals« habe, machte er eine wilde und aggressive Geste, die erahnen ließ, dass dieser Hals wirklich sehr groß war.

Ein paar Monate später gewann Schalke den DFB-Pokal, während Darmstadt im Hessen-Pokal antreten musste. Der Gegner der Lilien hieß FC Dörnberg. Bezirksliga Kassel. Eineinhalb Jahre später stiegen die 98er in die Vierte Liga ab. Walter Grimm war da nicht mehr Präsident, Michael Feichtenbeiner längst entlassen – und den Klub plagten wieder einmal Geldsorgen. Ende des Artikels aus 11Freunde.

Und heute, im Jahr 2015 mischt Darmstadt die Bundesliga auf. Auch dazu ein Artikel aus 11Freunde, der hier nachzulesen ist:
http://www.11freunde.de/artikel/warum-darmstadt-die-bundesliga-ueberrascht
Die Achtziger und Neunziger sind ja schon lange wieder hip. Kinobesucher stehen Schlange, um sich den xten Teil von »Jurassic Park« oder »Terminator« reinzuziehen, Studenten vergnügen sich auf Eurodance-Mottoparties – und der SV Darmstadt mischt die Bundesliga auf. Nicht nur das schäbig-sympathische Stadion am Böllenfalltor und die ungeschminkte Rhetorik von Trainer Dirk Schuster wirken wie aus der Zeit gefallen – auch der Fußball der Darmstädter ist so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was Jogi Löw als »högscht moderner Fußball« bezeichnen würde.
Darmstadt trägt jene Art des Fußballs in die Bundesliga, die man in der Kreisklasse als »Holzhacker-Spiel« kennt. Eckpfeiler des Spiels sind eine kampfstarke Defensive und die totale Fokussierung auf lange Bälle. Wenn ein Bundesliga 20 bis 25 Prozent der eigenen Pässe lang spielt, spricht man normalerweise bereits von einem hohen Anteil langer Bälle. Darmstadt übertrifft das locker. Gegen Schalke lag der Anteil bei 35 Prozent.

Realistisch gesehen gibt es für Darmstadt nur zwei Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen: Entweder hält der Stürmer den langen Ball und leitet ihn an einen der Außenstürmer weiter. So erzielte Konstantin Rausch den Führungstreffer gegen Schalke. Oder Darmstadt schickt den pfeilschnellen Marcel Heller mit einem langen Schlag hinter die Abwehr. So erzielte Darmstadt die Treffer beim 2:2 gegen Hannover 96.

Mit dem Fokus auf lange Bälle konterkariert Darmstadt das Pressing der Gegner. Wenn Darmstadt gar nicht erst versucht, eine Situation spielerisch zu lösen, sondern gleich den langen Ball wählt, ist ein Ballgewinn kaum möglich – und ein Pressing, der Eckpfeiler fast aller Bundesliga-Teams, eher nutzlos. Genau das erlebte Schalke am eigenen Leib.

Darmstadt treibt das klassische Außenseiter-Spiel auf die Spitze. Bewusst überlässt man dem Gegner den Ball. Roman Neustädter alleine brachte mehr Pässe zum Mitspieler als die gesamte Darmstädter Mannschaft. Am heimischen Böllenfalltor wagten sie gegen Hannover noch ein aggressives Pressing. Auswärts auf Schalke war die Marschrichtung jedoch klar: Bloß kein Tor fangen! Dafür verbarrikadierte sich Darmstadt am eigenen Sechzehner. Selbst die Außenstürmer postierten sich sehr tief, sodass beizeiten eine Sechserkette entstand.

Darmstadt definiert sich über Zweikampfstärke und -härte. Das spiegelt auch die Aufstellung wider. Das Mittelfeld-Duo bilden Peter Niemeyer und Jerome Gondorf, zwei klassische Zerstörer – Spieler, die anderswo allenfalls als Innenverteidiger, nicht aber als zentraler Mittelfeldspieler auflaufen dürften. Und auch die Außenverteidiger sollen in erster Linie defensiv sicher stehen und binden sich nur sehr spärlich ins Offensivspiel ein.

Taktische Spielereien wie falsche Neun, diametral abkippende Sechser oder Dreierketten sind nicht Teil der Darmstädter Strategie. Darmstadts Spiel ist komplett reduziert auf das Wesentliche: Ball gewinnen, Ball lange nach vorne spielen, Ball möglichst schnell im gegnerischen Tor unterbringen. Damit verschreckt Darmstadt jeden Fußballästheten. Doch selbst die müssen eingestehen: Der Aufsteiger macht wenigstens keine halbgaren Kompromisse wie so viele andere Teams im Abstiegskampf.

Darmstadts größtes Problem dürfte mittelfristig sein, dass ihre Strategie unkonventionell, aber auch ausrechenbar ist. Wenn der Favorit den Kampf annimmt, lange Bälle gut verteidigt und die zweiten Bälle gewinnt, dürfte Darmstadt der Plan B fehlen.

Darmstadt wird den eigenen Weg weitergehen und versuchen, als fußballerischer Anachronismus die Bundesliga aufzumischen. Ende des Artikels aus 11Freunde.
Für jeden echten Fußballfan ist der SV Darmstadt 98 zunächst einmal ein Paradebeispiel dafür, dass in Zeiten aberwitziger Ablösesummen und Spielergehälter auch andere Tugenden zum Erfolg führen können: Arbeit, Fleiss, Ausdauer, Kampf und Leidenschaft. Tugenden, die schon aus der Mode waren, aber von Darmstadt 98 eindrucksvoll vorgelebt werden.

Nicht zuletzt verbindet uns Borussen mit den Lilien eine schwere Zeit, die wir aktuell durchleben und die die Darmstädter hinter sich haben. Umso mehr freuen wir uns über das Statement des Lilien-Präsidenten Rüdiger Fritsch, der sagt: „Wir wissen, wo wir herkommen, und helfen im Rahmen unserer Möglichkeiten auch als Bundesligist gern, wenn wir können“. Danke für die Solidarität!

Deshalb: Pflichtveranstaltung am Freitag, 04.09., 18:00 Uhr für alle Borussen und für alle, die uns bei unserer Rettung unterstützen möchten!