Okan Kaya (200x200)

„Aus Liebe zum Sport und zur Stadt“

Von SZ-Mitarbeiter Michael Mirwald

Neunkirchen. Sport ist alles für Okan Kaya. Kein Wunder, dass der enthusiastische 34-Jährige Anfang des Jahres zum stellvertretenden Vorsitzenden der Borussia Neunkirchen gewählt wurde. Die Liebe zum Verein setzte aber schon viel früher ein: „Unser Kebabhaus sponsort seit zehn Jahren die Neunkircher Kicker. Da wächst man natürlich zusammen.“ Kaya ist Geschäftsführer des Pamukkale Kebabhauses am Hüttenberg – ein Familienunternehmen, das er 1993 übernahm. Bis dahin kam der gebürtige Homburger viel rum.

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„Als ich sechs Jahre alt war, hat mich mein Vater in ein Internat in der Türkei geschickt. Erst nach der siebten Klasse kam ich zurück nach Deutschland.“ Das Leben auf dem Internat sei kein leichtes gewesen, schließlich herrschte eiserne Strenge, und das Heimweh nach den Eltern wuchs von Tag zu Tag. „Aber ich musste mich eben anpassen, was blieb mir als Kind anderes übrig?“ Aber auch zurück in Deutschland sei es zunächst schwierig gewesen: „Mein Vater zog mit uns nach Kirrberg, wo es viele deutsche Kinder gab. Das tat er ganz bewusst, denn er wollte, dass ich mich schnell integriere und keine Vorurteile entwickele.“ Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten lernte Kaya aber schnell die deutsche Sprache und fand viele Freunde. In dieser Zeit festigte sich auch sein Verständnis von Multikulturalität und Zusammenleben. „Leider fehlt heutzutage oft der Respekt zwischen Anhängern verschiedener Kulturen. Aber wir müssen uns austauschen, um uns verstehen zu lernen.“

Er selbst habe beispielsweise kein Problem damit, als Muslim katholische Vereine zu fördern, wenn es um die gute Sache gehe. Auch die finanzielle Hilfe für verschiedene Sportvereine liegt in Kayas Vergangenheit begründet. „In der Türkei hatte ich keine Möglichkeit, Vereinssport zu machen. In Deutschland dagegen gibt es eine tolle Infrastruktur zur Förderung von Talenten, die ich gerne unterstütze.“ Vor allem Kinder und Jugendliche brauchten Sport als Ausgleich und Ankerpunkt. So könne man sie von Drogen und anderen Schwierigkeiten fernhalten, erklärt Kaya und fügt hinzu: „Auch mich selbst hat der Sport davor bewahrt, im Leben falsche Wege zu gehen.“

Momentan komme er allerdings kaum noch zur Körperertüchtigung, schließlich beanspruchen sein Laden und die Borussia viel Zeit. Doch während das Geschäft gut läuft, liegt beim Fußballverein noch einiges im Argen. „Als ich in den Aufsichtsrat berufen wurde, bekam ich zum ersten Mal einen Einblick darin, wie schlecht es um den Verein stand. Wir standen kurz vor der Insolvenz“, berichtet Kaya. Nun gehe es erst einmal darum, in kurzer Zeit neue Strukturen zu etablieren.

„Natürlich würden wir es begrüßen, in die Regionalliga aufzusteigen. Aber das geht nur mit finanziellen Mitteln. Deswegen steht die finanzielle Rettung erst einmal vor dem sportlichen Erfolg“, erklärt der 34-Jährige. Eines sei aber bei einer Sanierung unerlässlich: der Rückhalt der Fans. „Vereine sind wie eine Ehe. Zusammenhalt ist das Wichtigste, in guten wie in schlechten Zeiten“, so Kaya. Er werde nun alles dafür tun, um gute Zeiten einzuläuten – auch, um der Stadt etwas zurückzugeben. „Ich verdanke den Neunkirchern viel. Seit 18 Jahren lebe ich hier und die Leute haben unserem Laden immer die Treue gehalten. Durch mein Engagement bei den Borussen, aber auch bei anderen Vereinen kann ich mich dafür revanchieren.““

Quelle: http://www.saarbrueckerzeitung2.de/geonews/show.phtml?nID=G6H3FG9NE.1

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