Trainer Adetunji Adeyemi (Foto: Th. Burgardt/borussia-online.de)

Adeyemi: „Ich bin an meine Grenzen gestoßen“

In der Rückrunde vollbrachte er eine Meisterleistung: Adetunji Adeyemi trainierte neben der U19 auch die zweite Mannschaft und führte diese nach der Kündigung von acht Spielern zum Klassenerhalt in der Saarlandliga. Im Interview spricht der 40-Jährige über die letzten Monate und seine Pläne für die Zukunft.

Herr Adeyemi, durch einen 10:0-Kantersieg über die SG Perl/Besch hat sich die zweite Mannschaft von Borussia Neunkirchen den Klassenerhalt in der Saarlandliga gesichert. Wie schätzen sie diesen Erfolg ein?
Adetunji Adeyemi:
Es ist ein sehr großer Erfolg für uns, weil die Mannschaft wegen des möglichen Abstiegs unter Druck stand. Der Sieg war in dieser Höhe nicht zu erwarten, aber absolut verdient. Aus diesem Grund sind wir alle überglücklich!

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Acht Spieler der ursprünglichen zweiten Mannschaft wurden vom Verein suspendiert, da sie sich am 26. Spieltag vor der Partie in Bübingen geweigert hatten, zum Spiel anzutreten. Wie groß war Ihre Enttäuschung?
Adeyemi:
Die Enttäuschung war natürlich zunächst sehr groß, da einige der Spieler von mir ausgebildet wurden, ich sie deshalb sehr gut kannte. Solch ein Verhalten kann man nicht so einfach entschuldigen, jedoch glaube ich, dass diese jungen Spieler anfangs die Folgen ihrer Aktion nicht reflektiert haben. Wahrscheinlich haben sie auch nicht damit gerechnet, dass der Verein direkt reagiert und alle suspendiert. Nun kann man nichts mehr ändern. Ich schaue nicht mehr nach hinten, sondern immer nach vorne und deshalb geht es auch immer weiter.

Ab diesem Zeitpunkt mussten Ihre A-Junioren am Wochenende in der Regionalliga Südwest antreten und einige der Spieler noch für die zweite Mannschaft spielen. Hätten sie zu Beginn damit gerechnet, dass die junge Truppe die Doppelbelastung so gut verkraftet?
Adeyemi:
Nein! Natürlich wusste ich, dass sie spielerisch in der Saarlandliga mithalten können, weil sie schon in der Regionalliga (zweithöchste Spielklasse in Deutschland, Anm.) auf einem sehr hohen Niveau spielen. Ich hatte aber damit gerechnet, dass bei meinen Spielern die Kräfte aufgrund der enormen Doppelbelastung irgendwann schwinden. Doch wie es dann kam, hat selbst mich überrascht. Man konnte sehen, dass sie gar nicht genug Fußball spielen können, dass sie völlig fußballverrückt sind! Teilweise sah man ihnen gar nicht an, dass sie bereits morgens ein Spiel absolviert hatten. Ich bin ganz, ganz stolz auf diese Mannschaft und das kann sie auch auf sich sein.

„Ich bin ganz, ganz stolz auf diese Mannschaft“

Wer hat dabei geholfen, dass die Spieler für beide Spiele fit sind?
Adeyemi:
Mich hat es wirklich überrascht, wie hilfsbereit einige Personen waren. Zunächst möchte ich meinen Betreuer Vittorio Marino, der zusammen mit seiner Frau immer da war, erwähnen. Oder Jens Kelm (Aufsichtsrat und Mitglied des Sportausschusses, Anm.), der eine unglaubliche Arbeit geleistet hat. Joachim Weber, der Jugendleiter, hat dafür gesorgt, dass wir immer alles hatten, um unsere Leistung bringen zu können. An dieser Stelle möchte ich mich bei den eben genannten Personen herzlich bedanken und auch bei allen Leuten, die immer hinter uns gestanden und uns unterstützt haben.

Wie sah in der Rückrunde Ihr Fußball-Wochenende aus?
Adeyemi: (lacht) Freitags hatte ich meist ein Abschlussspiel im Training, samstags dann das Spiel mit meiner A-Jugend und noch das Spiel mit der zweiten Mannschaft am Wochenende. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die Belastung in den letzten Monaten für mich viel zu viel war und ich an meine Grenzen gestoßen bin. Manchmal habe ich mich gefragt, warum ich mir das überhaupt antue, doch die Situation war für mich ganz klar: Entweder ich nehme diese Aufgabe in die Hand oder man lässt die zweite Mannschaft absteigen. Das wollte ich auf keinen Fall. Deshalb war ich absolut motiviert, den Klassenerhalt mit meiner A-Jugend in der Regionalliga und mit der zweiten Mannschaft in der Saarlandliga zu schaffen.

„Christopher Dahl hat für die Mannschaft alles gegeben“

Neben den A-Jugendlichen unterstützten Spieler wie Christopher Dahl, Philipp Kerber oder Towart Thomas Wiener aus der ersten Mannschaft das Team. Wie wichtig waren diese erfahrenen Spieler für die junge Truppe ?
Adeyemi:
Das sind sehr erfahrene Spieler, die die Mannschaft in dieser schwierigen Situation toll unterstützt haben. Sie konnten die junge Truppe fördern, motivieren oder ihr Tipps geben. Allerdings ist es nicht nur wichtig, dass sie fußballerisch geholfen haben, sondern sie besitzen alle einen starken Charakter, der das Team weitergebracht hat. Das kann man an Christopher Dahl sehen, dessen Wechsel zu Jägersburg schon länger klar war, der jedoch alles für die Mannschaft gegeben hat und bereit war, sie mit zu führen. So etwas erlebt man nicht jeden Tag. Alle erfahrenen Spieler haben uns spielerisch und menschlich weitergeholfen. Dafür bin ich ebenfalls sehr dankbar.

Für die „jungen Wilden“ waren die Spiele in der Saarlandliga sicher etwas Besonderes. Welche Erfahrungen konnten die A-Jugendlichen mitnehmen?
Adeyemi: Es ist ganz normal, dass junge Spieler wild sind. Man konnte aber sehen, dass das junge Team zu Beginn verunsichert war, erst mit der Zeit immer mehr Selbstvertrauen tanken konnte. Von Woche zu Woche sind sie immer stärker geworden und viel souveräner aufgetreten. Beispielhaft ist für mich das Spiel in Völklingen am 33. Spieltag, bei dem die Mannschaft gegen einige gestandene Oberligaspieler und den Meister toll gespielt hat. Gegen uns haben Röchling große Probleme gehabt, und wir waren die eindeutig überlegene Mannschaft, obwohl wir am Ende eine bittere 0:1-Niederlage kassiert haben. Diese Zeit hat die Spieler in ihrer Entwicklung eindeutig weitergebracht und ich denke, dass es auch alle genossen haben, in der Liga zu spielen.

„Es ist ganz wichtig, aus unseren Fehlern zu lernen“

Wie wird die zweite Mannschaft in der kommenden Saison aussehen?
Adeyemi: Es ist ganz wichtig für uns, aus unseren Fehlern in der Vergangenheit zu lernen. Wir haben entweder die Möglichkeit, den A-Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, in der Saarlandliga zu spielen oder zu sagen, wir wollen nicht auf diese Jugendlichen bauen. Momentan planen wir so, dass wir eine eigenständige Mannschaft und einen Physiotherapeuten haben. Wir wollen, dass sich alle wohlfühlen und sehen, dass der Verein mit ihnen plant und nicht, wie es in der Vergangenheit war, dass die Spieler sich so fühlen wie das fünfte Rad am Wagen. Vom Sportlichen her habe ich keine Bedenken, nur muss auch der Rahmen stimmen und den setzen wir für nächste Saison. So haben die Spieler eine Atmosphäre, in der sie sich ganz in Ruhe entwickeln können.

Werden Sie auch in Zukunft weiter bei Borussia arbeiten und gleichzeitig zwei Mannschaften betreuen?
Adeyemi: (lacht) In der nächsten Saison werde ich sicher nur noch eine Mannschaft betreuen, und das wird die U23-Perspektivmannschaft sein. Ich komme also nun von der Jugendabteilung in den Aktivenbereich und freue mich schon sehr auf diese neue Aufgabe.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei ihrer Arbeit!

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