Völlig losgelöst Tim Klein

1:0 nach Geduldsspiel gegen Brebach – Björn Klos: „Dreckigen Sieg genießen“

Unser Bild: Völlig losgelöst – Borussen-Torjubel mit (v.l.) Marco Dahler, Mamaodu Traore, Torschütze Tim Klein, Marcel Jung, Kamil Czeremurczynski und Daniel Ruschmann (Foto: -jf-)

Björn Klos hatte es heraufbeschworen: „Männer, ein Ball, der lucky punch!“ hatte Borussias Trainer in den letzten fünfzehn Minuten der Partie im Ellenfeld gegen den SC Halberg-Brebach lautstark seinen Schützlingen zugerufen. Und die erhörten ihren Coach fünf Minuten vor dem Ende: Nach einem Freistoß von Daniel Ruschmann verlängerte Momo Diallo das Leder akrobatisch per Fallrückzieher zu Tim Klein, der die unübersichtliche Situation blitzschnell erfasste und das Leder aus kurzer Distanz ins Netz bugsierte. Der Torschütze wurde im kollektiven Jubel von seinen Kameraden anschließend fast erdrückt. Einem Pressevertreter stand er nach dem Spiel im Interview Rede und Antwort – sein Fazit: „Unser Wille und der Glaube, dass bis zum Schluss was geht, waren entscheidend!“

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Glaube und Wille werden von Trainer Björn Klos, den eine ausgeprägte Siegermentalität auszeichnet, konsequent vorgelebt – auch wenn der Borussen-Coach seine Mannschaft in der ersten Halbzeit kaum wiedererkannt und deshalb in der Pausenansprache hart mit ihr ins Gericht gegangen war: „Das war die schlechteste Leistung, seit ich im Ellenfeld bin. Das war nicht meine Mannschaft! Wir haben alles vermissen lassen, was uns in den vorherigen Spielen ausgezeichnet hat.“ In der Tat boten die ersten 45 Minuten ganz zähe Fußballkost. Die Gäste aus Saarbrücken ließen Borussia mit geschicktem Verschieben und frühem Anlaufen überhaupt nicht ins Spiel kommen und hatten ihrerseits gute Chancen, in Führung zu gehen. Darüber hätte sich Borussia vor allem nach 12 Minuten nicht beschweren können, als Merouane Taghzoute aus kurzer Distanz das Leder an die Latte drosch. Auf der Brebacher Bank schlug man die Hände über den Kopf zusammen: „Es war schwerer, diesen Ball nicht reinzumachen!“ Björn Klos gefiel das Auftreten seiner Truppe überhaupt nicht: „Kommt endlich mal aus dem Sparmodus raus“, rüttelte er sein Team auf, das langsam besser ins Spiel fand und durch Jens Kirchen einen Schuss ans Außennetz verzeichnete. Gefährlicher blieben aber die Gäste bei ihren strukturiert inszenierten Kontern. Zweimal reagierte Jonas Merhej im Borussen-Tor prächtig: Der 21jährige verhinderte durch frühzeitiges Herauslaufen gegen Taghzoute den Rückstand und drehte kurz vor dem Pausenpfiff einen Ball des agilen Brebacher Stürmers gerade noch so um den Pfosten. „Jonas Merhej hat seine Sache ausgezeichnet gemacht und uns in dieser Phase im Spiel gehalten. Das kommt nicht von ungefähr. Er trainiert mit unserem Torwarttrainer Mario Rino sehr fleißig und konzentriert“, verteilte Borussias Coach Komplimente an den Vertreter von Philippe Persch. Beide Keeper waren schon vor der Partie von den Fans mit einem Transparent („1905 % Rückhalt für Jonas und Philippe“) aufgemuntert worden.

Björn Klos´ Worte in der Kabine zeigten dann Wirkung. Borussias Körpersprache verriet die Wiederentdeckung in der ersten Halbzeit vergessener Tugenden. Die eingewechselten Tim Klein und Momo Diallo erwiesen sich als belebende Elemente, die gelb-rote Karte für Brebachs Maximilian Schuh verschob nach 67 Minuten das Spielgeschehen endgültig in die Hälfte der Gäste. Borussia, nach wie vor leidenschaftlich durch die Fans unterstützt, baute nun immer mehr Druck auf: Einbahnstraßenfußball Richtung Brebacher Tor. Ein Geduldsspiel begann, das Tim Kleins zweites Saisontor in der 85. Minute beendete. „Wir waren heute nicht gut, aber unter dem Strich stehen drei Punkte“, bilanzierte Björn Klos nüchtern, ist aber weit davon entfernt, nach dem vierten Sieg in Folge euphorisch zu sein – im Gegenteil: „Wenn Brebach zur Pause 3:0 führt, müssen wir uns nicht beklagen. Keine Frage: Wir sind heute mit einem blauen Auge davongekommen. Aber das geht nicht immer gut“, warnte der sichtlich mitgenommene Trainer („Ich bin komplett durchgeschwitzt!“), der in der zweiten Halbzeit zumindest mit der Mentalität seiner Jungs zufrieden sein konnte: „Deshalb dürfen sie diesen `dreckigen Sieg´ auch genießen und heute ein bisschen feiern. Aber ab Montag gilt unsere volle Konzentration dem Pokalspiel in Riegelsberg und anschließend dem nächsten Ligaspiel beim FV Schwalbach.“ In die gleiche Kerbe hieb Borussen-Präsident Martin Bach, der vor allem die Unterstützung durch den eigenen Anhang als Motivationsfaktor anerkannte: „Mannschaft, Trainer und Fans genießen einfach den Moment. Das ist `Gänse-haut-Feeling pur´, wenn du nach Spielende die Atmosphäre rund um diese Mannschaft und die phantastischen Fans erleben darfst. Diese Unterstützung von den Rängen macht diesen Verein zu etwas Einzigartigem. Die Spieler spüren, dass sie eine Verpflichtung haben und dass sie mit ihrer Leistung auf dem Platz den Menschen eine Freude machen können. Wenn alle, die bei den Spielen der Mannschaft live im Stadion dabei waren, das Erlebte in Stadt und Land hinaustragen, werden bald wieder viele Fans den Weg ins Ellenfeld finden.“ (-jf-)

Borussia in der Statistik

Unsere Mannschaft: Jonas Merhej – Lionel Schmidt (62. Mouhamad Diallo), Jannik Nagel (82. Marcel Jung), Daniel Ruschmann, Marco Dahler, Jens Kirchen, Mehdi Lomma (36. Tim Klein), Kamil Czeremurzynski, Mo Benghebrid, Tim Cullmann, Mamadou Traore. – Unser Trainer: Björn Klos.

Tor: 1:0 (85.) Tim Klein. – Schiedsrichter: Jan Frevel (Heusweiler). – Zuschauer: 308. – Gelbe Karten: Mamadou Traore (18.), Marco Dahler (51.).

1: 0 für Borussia Neunkirchen durch Tim Klein -Borussia Neunkirchen - SC Halberg Brebach 1:0 - 13. Spieltag - Spiel Nr.: 111 - 14.10.2017 15:30 Uhr
1: 0 für Borussia Neunkirchen durch Tim Klein