SVEII

0:4 in Elversberg – ein Dejavu-Erlebnis der besonders bitteren Art

Noch am Tag danach konnte es Martin Bach nicht fassen. Da macht Borussia im sonnenüberfluteten Mühlwald-Stadion in St. Ingbert über 40 Minuten lang ein ganz ordentliches Spiel, verpasst es, bei einigen guten Möglichkeiten in Führung zu gehen, um dann unmittelbar vor der Pause in Rückstand zu geraten. Wieder nach einem Eckball, wieder durch einen Kopfball, wie zuletzt zweimal beim 3:3 im Ellenfeld gegen die SG Lebach-Landsweiler.  Für Borussias Präsident und die Neunkirchener Fans ein Dejavu-Erlebnis der besonders bitteren Art. Doch damit nicht genug: Nur ein paar Minuten nach dem Wechsel wieder eine Standardsituation, diesmal ein Freistoß nahe der Eckfahne, Elversbergs Kai Merk kam mit dem Kopf als erster ans Leder – und Borussia war geschlagen. Unglaublich, aber wahr: Satte 50 Prozent der bisherigen Gegentore fielen nach diesem Muster.
Die beiden Treffer zu psychologisch ungünstigsten Momenten kurz vor und nach der Pause waren der Genickschlag, da waren sich alle Beobachter einig. 0:2 – Borussias Wille war gebrochen, für Elversberg war die Partie jetzt ein Selbstläufer. Dass die keineswegs überragenden Gastgeber mit einem Kontertor durch Mikail Morioglu und einen von Lucas Bidot verwandelten Strafstoß das Resultat am Ende noch auf ein aus Borussen-Sicht deprimierendes 0:4 schraubten, machte den Braten dann auch nicht mehr fett. Lediglich Kamil Czermurzynski hatte noch die Chance auf eine Ergebnisverbesserung. „Unser Erfolg war verdient, ist aber sicher um ein Tor zu hoch ausgefallen“, meinte SVE-Coach Marco Emich, wirklich trösten konnte er aber damit keinen im ziemlich frustrierten Borussen-Lager. Dort hatte man gehofft, dass die Nachricht vom endgültig abgewendeten Insolvenzverfahren neue Kräfte freisetze. Doch die Hoffnung erwies sich als trügerisch.
Dabei begann es für Borussia nicht schlecht. Vor der Pause konnte man in der Tat den Eindruck gewinnen, als bringe Elversbergs U21 den Grimm-Schützlingen jede Menge Respekt entgegen. Borussia ließ kaum Offensivaktionen der Gastgeber zu und erarbeitete sich selbst vielversprechende Chancen zur Führung. So nach 25 Minuten, als Tim Cullmann allein auf SVE-Keeper Joshua Blankenburg zulief, im direkten Duell dann aber den Kürzeren zog. Borussia schien die Partie ganz gut im Griff zu haben. Bis zur vermaledeiten 42. Minute, als Luca Blaß mit seinem ersten Saisontor Borussias Nervenkostüm zum Zerreißen brachte. „Da müssen wir einfach konzentrierter sein“, sagt Borussen-Boss Martin Bach kritisch, der wie der gesamte Borussen-Anhang mitansehen musste, wie nach dem 0:2 die Köpfe nach unten gingen, die mentale Stabilität endgültig den Rohrbach Richtung Saar hinunterging. Stichwort Mentalität – die scheint, so Martin Bach, durch den Abstieg im Mai bei einigen Akteuren doch nachhaltiger angekratzt als vermutet: „Die Jungs wollen, keine Frage, aber die Mannschaft schleppt die Misserfolgsserie der letzten Saison in Teilen immer noch hinter sich her. Die Angst vor Fehlern lähmt, das sitzt offenbar tief im Unterbewusstsein drin.“
Hinzu gesellte sich Verletzungspech. Torhüter Philippe Persch war angeschlagen, wollte trotz Oberschenkelzerrung auflaufen, musste dann aber doch kurz vor Anpfiff passen. Mit Nicolas Gil Rodriguez musste eine weitere Stammkraft schon nach 25 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Martin Bach kann es nicht wirklich trösten, dass auch andere (wie zum Beispiel der letztjährige Vizemeister VfL Primstal) Probleme haben, in die Saison hineinzufinden. „Die Leistungsdichte in der Liga ist enorm, da entscheiden Kleinigkeiten“, so das Fazit nach zahlreichen Spielbeobachtungen von Trainer und Clubchef. „Da ist noch nichts verloren, aber wir müssen jetzt möglichst schnell den Schalter umlegen und die Verlierermentalität abwerfen“, gibt Martin Bach die Losung für die kommenden Spiele aus. Stimmt: Unsere Mannschaft muss sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, dabei vor allem am Abwehrverhalten nach Standards weiter geduldig arbeiten. Und nicht zuletzt hoffen, dass die verletzten und angeschlagenen Stammspieler schnell wieder zurückkommen. (-jf-)
Borussia in der Statistik:
Die Mannschaft: Merhej – Czermurzynski, Cullmann (77. Giuliano Jakob), Benghebrid, Vituzzi, Seidel – Rodriguez (25. Braun), Nagel – Klein (54. Kirchen), Jung, Schmidt. Trainer: Tobias Grimm.
Gelbe Karten: Cullmann. – Tore: 1:0 (42.) Blaß, 2:0 (49.) Merk, 3:0 (61.) Morioglu, 4:0 (74.) Bidot (Foulelfmeter). – Schiedsrichter: Dennemärker (Schwarzenholz). – Zuschauer: 200.

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